Superhelden, die sich gegenseitig durch Häuserwände prügeln, Blut, Chaos und jede Menge Spektakel – das ist Invincible. Die Comic-Reihe von Robert Kirkman und die gleichnamige Animationsserie haben längst Kultstatus erreicht. Nun wagt sich Studio Quarter Up, bestehend aus mehreren Veteranen der Fighting-Game-Szene, an das erste Prügelspiel zur Vorlage. Herausgekommen ist Invincible VS – ein vollwertiger 3vs3-Fighter mit 18 Charakteren, einem tiefgründigen Kampfsystem und einem vollwertigen Online-Ranglistenmodus. Wir haben ausgiebig auf der PS5 gespielt und verraten, was das Spiel leistet und wo noch Luft nach oben bleibt.

Erst Tutorial, dann Ruhm
Wer direkt ins Geschehen einsteigen möchte, sollte sich zunächst die Zeit nehmen, das Tutorial zu absolvieren. Hier lernt man die grundlegenden Kampfmechaniken sowie die Steuerung kennen, was den späteren Einstieg in die verschiedenen Spielmodi erheblich angenehmer macht. Die Steuerung ist nicht simpel, aber auch kein unüberwindbares Hindernis, sobald man die Kombos und Tastenbelegungen verinnerlicht hat.
Anschließend empfiehlt sich ein Abstecher in den Trainingsmodus, wo man sich in Ruhe austoben und bestimmte Kombos weiter vertiefen kann – ohne den Druck eines echten Gegners. Wer sich diese Grundlage erarbeitet, wird im weiteren Spielverlauf deutlich mehr Freude haben und versteht, warum das Kampfsystem weit mehr hergibt als auf den ersten Blick ersichtlich.

Kampfsystem: Tiefgang hinter der Brutalo-Fassade
Das Kampfsystem ist der eigentliche Star des Spiels. Auf den ersten Blick wirkt es zugänglich, und Button-Mashing beschert tatsächlich erste Erfolgserlebnisse. Wer jedoch tiefer gräbt, entdeckt ein erstaunlich vielschichtiges System voller taktischer Möglichkeiten für Angriff und Verteidigung.
Das Verteidigungsarsenal geht weit über einen simplen Combo-Breaker hinaus. Wer in Bedrängnis gerät, kann ein Teammitglied zur Hilfe rufen, das die laufende Angriffskette des Gegners unterbricht – der sogenannte Assist-Breaker. Auf der Offensivseite sorgen Feint-Moves für taktische Finesse: Man täuscht einen schweren Angriff an, zwingt den Gegner zur Reaktion und bestraft dessen voreiligen Parry mit einem Konter. Wer diese Werkzeuge beherrscht, spielt auf einer völlig anderen Ebene als jemand, der blind draufhämmert. Das Boost-System ergänzt das Ganze: Drei Ladungen unter der Healthbar können genutzt werden, um Spezialangriffe zu verstärken. Wer sich die Mühe nicht macht, das System zu verstehen, wird online früher oder später eines Besseren belehrt.
Der absolute Höhepunkt des Kampfsystems ist der Charakterwechsel mitten in einer laufenden Kombo. Ein Knopfdruck, das nächste Teammitglied springt rein, die Angriffskette läuft weiter – und plötzlich steht da eine 20-Hit-Serie, die der Gegner hilflos über sich ergehen lassen muss. Das fühlt sich nicht nur gut aus, es sieht auch fantastisch aus. Invincible VS hat hier eine ganz eigene Sprache gefunden, die das Spiel klar von anderen Vertretern des Genres abhebt.

Die 18 Charaktere spielen sich alle spürbar unterschiedlich. Nahkämpfer wie Battle Beast setzen auf Tuchfühlung, während Charaktere wie Robot auch auf Distanz effektiv agieren. Das macht die Teamzusammenstellung zu einem eigenen taktischen Element, das dem Spiel zusätzliche Tiefe verleiht.
Ein kleiner Kritikpunkt: Die Move-Listen greifen auf abstrakte Kürzel zurück, statt die Eingaben direkt auf den verwendeten Controller zu übersetzen. Gerade zu Beginn kostet das unnötig Nerven und reißt einen immer wieder aus dem Spielfluss. Mit der Zeit schleift sich das ein, doch es bleibt eine Schwäche, die mit etwas mehr Sorgfalt hätte vermieden werden können.
Story-Modus: Atmosphärisch, aber zu kurz
Nach dem Einstieg über Tutorial und Training kann man sich an den Story-Modus wagen, der verschiedene Schwierigkeitsgrade bietet. Die Handlung wurde von den Serienmachern entwickelt, und viele der Originalsprecher sind mit an Bord – was für Fans der Serie ein echtes Highlight darstellt. Vorab wurde kommuniziert, dass der Story-Modus vom Umfang her in etwa einer Folge von Invincible entspricht, und das trifft es ganz gut.
Dennoch hätte man sich gewünscht, dass er inhaltlich etwas origineller ausgefallen wäre. Die kurzen Zwischensequenzen zwischen den Kämpfen sind atmosphärisch schön gestaltet, reichen aber nicht aus, um eine wirklich mitreißende Erzählung zu schaffen. Nach rund einer Stunde läuft bereits der Abspann über den Bildschirm – ohne große Überraschungen oder Wendungen. Im Vergleich zu den Story-Modi großer Konkurrenten fällt das Solo-Angebot entsprechend dünn aus.

Arcade-Modus: Mehr Abwechslung für Einzelspieler
Wer mehr Solo-Content sucht, ist im Arcade-Modus gut aufgehoben. Dort tritt man mit einem frei zusammengestellten Dreier-Team gegen verschiedenste gegnerische Aufstellungen an, wobei jeder Charakter einen eigenen Abspann bereithält. Der Modus bietet ebenfalls verschiedene Schwierigkeitsgrade und eignet sich hervorragend dazu, das eigene Können zu verfeinern und neue Charakterkombinationen auszuprobieren. Das macht richtig Laune und hält deutlich länger bei der Stange als der Story-Modus.

Online-Modus: Das Herzstück des Spiels
Der Online-Ranglistenmodus ist das Herzstück von Invincible VS – und wer das Spiel wirklich ausreizen möchte, wird hier die meisten Stunden versenken. Das eigene Dreier-Team wird zusammengestellt, und dann geht es Runde für Runde gegen Spieler weltweit. Besonders angenehm: Vor dem ersten Ranked-Match fragt das Spiel die eigene Erfahrung ab und schickt einen durch zehn Einstiegspartien, um das Niveau einzuschätzen. Wer also noch nie einen Fighter angefasst hat, wird nicht direkt gegen gestandene Veteranen geworfen – ein kleines, aber wirkungsvolles Detail.
Technisch liefert das Spiel, was heute Standard sein sollte: Rollback-Netcode und plattformübergreifendes Crossplay. Die Online-Kämpfe liefen erfreulich stabil, mit kurzen Wartezeiten und keinerlei Verbindungsproblemen. Wer lieber lokal spielt, ist ebenfalls gut bedient: Ein 3vs3 auf der Couch mit einem Freund macht mindestens genauso viel Spaß und bringt das Tag-Team-System in seiner direktesten Form zur Geltung.

Belohnungssystem und Langzeitmotivation
Was dauerhaft bei Laune hält und den Wiederspielwert deutlich steigert, ist das Belohnungssystem. Durch persönliche Stufenaufstiege und Charakter-Aufwertungen schaltet man nach und nach neue Symbole und Hintergründe für die Profilkarte sowie Farbvarianten für die einzelnen Charaktere frei. Das gibt dem Ganzen einen schönen Langzeit-Anreiz und motiviert dazu, immer wieder zurückzukehren – auch wenn man den Ranglistenmodus bereits ausgiebig gespielt hat.

Optik und Sound: Comic-treu und beeindruckend
Visuell setzt Invincible VS auf einen CGI-Comic-Look, der trotz Polygon-Grafik klassische 2D-Prügel-Vibes erzeugt. Der Stil ist dem Vorbild aus Comic und Serie treu geblieben, und das ist eindeutig ein Pluspunkt. Während fetter Effektgewitter, wenn Hochhäuser umfallen und Charaktere von riesigen Landmassen begraben werden, bleibt die Performance stabil und das Geschehen übersichtlich.
Passend zur Vorlage wird es dabei durchaus brutal: Blut spritzt, Kämpfe können damit enden, dass ein Gegner den Kopf verliert oder komplett in seine Einzelteile zerlegt wird. Nichts für schwache Nerven, aber stilistisch konsequent und stimmig zur Lizenz. Auch der Sound weiß zu überzeugen: Die Soundeffekte bei Treffern haben echte Wucht, und die musikalische Untermalung passt zum energiegeladenen Kampfgeschehen. Treffer fühlen sich gewichtig an, Bewegungen sind klar lesbar, und das Gesamtpaket aus Bild und Ton erzeugt genau das Spektakel, das man von einem 3vs3-Fighter erwartet.

Unser Fazit zu Invincible VS
Invincible VS ist kein perfektes Spiel, aber ein starkes. Das tiefe, vielschichtige Kampfsystem, der polierte Online-Modus mit Rollback-Netcode und Crossplay sowie die Comic-treue Präsentation machen es zu einem der überraschend überzeugenden Fighter des Jahres. Der Story-Modus bleibt hinter den Erwartungen zurück – zu kurz, zu vorhersehbar – und auch die nicht-controllerangepassten Move-Listen sind ein vermeidbares Ärgernis. Der Arcade-Modus, das motivierende Belohnungssystem und vor allem der Ranglistenmodus sorgen aber für mehr als genug Langzeitmotivation.
Wer die Serie liebt, greift sowieso zu. Und alle anderen bekommen einen zugänglichen, aber lohnenswert komplexen 3vs3-Fighter, der seinen Platz im Genre verdient hat.
Invincible VS ist physisch im Handel und digital im PlayStation Store für PS5 erhältlich.
Starker 3vs3-Fighter mit tiefem Kampfsystem, überzeugendem Online-Modus und Comic-treuer Optik – genau das, was Fans der Serie sich gewünscht haben.
- Tiefes, vielschichtiges Kampfsystem mit hohem Lernpotenzial
- Tag-Team-System mit nahtlosen Kombos macht enormen Spaß
- 18 Charaktere mit spürbar unterschiedlichen Spielstilen
- Rollback-Netcode und Crossplay für stabiles Online-Erlebnis
- Nutzerfreundlicher Einstieg in den Ranked-Modus
- Comic-treue Optik
- Motivierendes Belohnungssystem mit Langzeitwirkung
- Inhaltlich wenig überraschende Handlung im Story-Modus
- Solo-Angebot im Vergleich zur Konkurrenz dünn
- Charakterauswahl mit 18 Kämpfern solide, aber ausbaufähig
- Brutale Gewaltdarstellung nicht jedermanns Sache







