Drop Duchy (PS5) im Test: Fordernder Genre-Mix mit echtem Tiefgang

Drop Duchy

Drop Duchy von Sleepy Mill Studio ist schwer in eine Schublade zu stecken. Es ist Teil Tetris, Teil Aufbaustrategie, Teil Ressourcenmanagement und Teil Roguelite, und genau diese Kombination macht es zu einem der überraschendsten Indie-Titel, die in letzter Zeit auf der PS5 gelandet sind.

Drop Duchy Screenshot 01

Der Einstieg fordert Geduld

Wer Drop Duchy startet und sofort loszocken will, wird auf eine Wand treffen. Auch auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad fühlt sich der Einstieg zunächst überwältigend an. Das liegt nicht an einer unübersichtlichen Oberfläche, sondern daran, dass man gleichzeitig mehrere Systeme verstehen muss: Welche Terrain-Plättchen interagieren miteinander? Welche Gebäude braucht man wann? Welche Einheitentypen kontern was? Und wie legt man alles auf dem Tetris-Raster so ab, dass am Ende eine funktionierende Strategie entsteht?

Das ist kein Designfehler, sondern Absicht. Drop Duchy setzt darauf, dass man sich die Mechaniken selbst erarbeitet. Das Tutorial erklärt die Grundlagen, kratzt aber nur an der Oberfläche der vielen Systeme, sodass die ersten Runs trotzdem oft in Verwirrung enden.

Hat man einmal verstanden, wie die Systeme zusammenhängen, klickt es auf einmal, und dann macht Drop Duchy richtig Spaß.

Drop Duchy Screenshot 02

Tetris als strategisches Fundament

Das Herzstück des Spiels: Tetromino-förmige Plättchen fallen von oben herab, und man platziert sie auf einem Raster. Anders als beim klassischen Tetris ist das Ziel aber nicht das Auflösen von Reihen. Stattdessen baut man eine Karte auf. Jedes Plättchen repräsentiert Terrain oder ein Gebäude, das Ressourcen produziert oder Truppen aushebt. Abgeschlossene Reihen bringen Holz, Nahrung und Gold als Bonus, verschwinden jedoch nicht.

Die Platzierung hat Konsequenzen. Eine Farm neben dem richtigen Terrain produziert mehr. Ein Militärlager in der Nähe von Steingebieten kann andere Einheiten bereitstellen. Man denkt beim Legen nicht nur an den nächsten Stein, sondern an die Zusammensetzung der gesamten Karte. Das ist Tetris mit strategischem Gewissen.

Drop Duchy Screenshot 03

Kampf nach Schere-Stein-Papier-Prinzip

Sind die Plättchen gesetzt, marschieren die Armeen. Schwertkämpfer schlagen Bogenschützen, Bogenschützen schlagen Axtkämpfer, Axtkämpfer schlagen Schwertkämpfer. Einfach, aber effektiv. Armeen kombinieren sich automatisch zu größeren Verbänden, wobei der zahlenmäßig überlegene Typ die Einheit übernimmt. Das zwingt dazu, den richtigen Moment für Angriffe abzuschätzen, manchmal will man kombinieren, manchmal lieber sofort zuschlagen.

Besonders ungewöhnlich: Man platziert im Vorfeld auch die gegnerischen Gebäude auf dem Feindfeld selbst. Das klingt merkwürdig, entpuppt sich aber als einer der cleveren Kniffe des Spiels, denn so lernt man aktiv, welche Schwächen ein Gegner haben kann.

Roguelite-Schleife mit echtem Fortschritt

Zwischen den Kämpfen läuft ein klassischer Roguelite-Loop. Jeder Run bringt neue Karten für das Deck, neue Gebäudetypen und freigeschaltete Technologien. Das Herzstück der Progression ist der Forschungsbaum, in dem man nach und nach neue Plättchen, Elemente und Gebäude freischaltet. Wer einen Run verliert, kehrt mit mehr Optionen zurück und kann beim nächsten Versuch anders vorgehen.

Dieser Baum ist umfangreich. Manchmal zu umfangreich. Neue Mechaniken wie Glaube, Siedlungstypen oder Spezialgebäude tauchen auf, ohne wirklich erklärt zu werden. Man rätselt, ob ein Upgrade sinnvoll ist oder nicht, und landet schnell bei Reddit oder den Steam-Foren. Wer sich die Zeit nimmt, alles zu durchdringen, wird mit echter taktischer Tiefe belohnt. Wer das nicht tut, bleibt bei seinen bewährten Einheiten und kommt trotzdem durch, zumindest eine Weile.

Drop Duchy Screenshot 04

Bosse als kniffliger Höhepunkt

Am Ende jedes Akts wartet ein Boss, und die sind der härteste Test für das eigene Verständnis der Systeme. Wer seinen Forschungsbaum vernachlässigt hat oder mit einer halbgaren Strategie ankommt, wird abgestraft. Wer vorbereitet ist, erlebt die befriedigendsten Momente des Spiels. Diese Bosse motivieren, die Forschung wirklich zu nutzen und nicht nur das Bekannte abzurufen.

Drop Duchy Screenshot 05

PS5-Präsentation: Solide ohne Aufsehen

Optisch ist Drop Duchy angenehm klar gestaltet. Plättchen und Gebäude sind gut lesbar, die Karte übersichtlich, die Menüs funktional. Auf der PS5 läuft alles flüssig, und die DualSense-Steuerung funktioniert besser als erwartet, auch wenn man merkt, dass das Spiel ursprünglich für PC entwickelt wurde. Die Controller-Unterstützung ist solide, gelegentlich aber etwas fummelig bei der Navigation durch die Fortschrittsbäume.

Der Soundtrack passt: mittelalterlich angehaucht, dezent und nicht aufdringlich. Keine Sprachausgabe, aber das fällt kaum auf. Insgesamt eine Präsentation, die nicht beeindruckt, aber auch nie im Weg steht.

Drop Duchy Screenshot 06

Unser Fazit zu Drop Duchy

Drop Duchy ist kein Spiel für zwischendurch ohne Nachdenken. Der Einstieg ist bewusst steil, die Systeme zahlreich und der Forschungsbaum teils undurchsichtig. Wer aber bereit ist, sich einzuarbeiten, findet ein tiefgründiges, kreativ designtes Strategiespiel, das auf der PS5 gut funktioniert. Die Roguelite-Schleife hält die Motivation hoch, die Bosse setzen echte Ziele, und der Moment, in dem die Systeme auf einmal Sinn ergeben, ist einer der befriedigendsten, die ein Indie-Spiel in letzter Zeit geboten hat.

Drop Duchy – Complete Edition ist digital im PlayStation Store erhältlich.

7.5
Gesamtwertung
Drop Duchy (PS5) im Test: Fordernder Genre-Mix mit echtem Tiefgang

Anfangs überwältigend, aber wer sich durchbeißt, wird belohnt: Drop Duchy verbindet Tetris, Strategie und Roguelite zu einem tiefgründigen, fordernden Indie-Erlebnis auf der PS5.

Gameplay 8.0
Grafik 7.5
Sound 7.0
Steuerung 7.5
Vorteile
  • Einzigartiger Genre-Mix mit echtem Tiefgang
  • Befriedigende Roguelite-Progression
  • Bosse als sinnvolle Herausforderung
  • Gut lesbare, solide Präsentation
  • Kurze Sessions möglich
Nachteile
  • Steiler Einstieg, auch auf leicht
  • Forschungsbaum kaum erklärt
  • Spürbar PC-first entwickelt
  • Viele Mechaniken bleiben intransparent