Aphelion im Test: Eiskalte Spannung mit Herz und Mysterium

Aphelion

Don’t Nod hat sich mit Life Is Strange einen Namen gemacht, der für emotionale Geschichten und starke Charaktere steht. Mit Aphelion wagen die Pariser nun einen Ausflug ins Sci-Fi-Genre, entstanden in Zusammenarbeit mit der ESA. Das Ergebnis ist ein Spiel, das einen auf eine Art und Weise packt, die man so schnell nicht erwartet hätte.

Aphelion Screenshot 01

Zwei Astronauten, ein eisiger Planet, ein Geheimnis

Es ist das Jahr 2062. Die Erde ist durch den Klimawandel nahezu unbewohnbar, die Menschheit steht vor dem Abgrund. Der neu entdeckte Planet Persephone am Rand unseres Sonnensystems ist die letzte Hoffnung. Ihr schlüpft in die Rolle der Astrobiologe Dr. Ariane Montclair, die zusammen mit ihrem Kollegen Thomas Cross als Vorhut ausgesandt wird, um Persephone auf seine Bewohnbarkeit zu prüfen.

Aphelion Screenshot 02

Doch schon der Landeanflug geht gründlich schief. Das Raumschiff stürzt ab, die Crew wird getrennt, und Ariane steht allein in einer eisigen, feindseligen Welt. Was dann folgt, ist kein episches Weltraumabenteuer mit Wendungen im Dutzend, aber eine mitreißende, emotionale Reise, die einen nicht mehr loslässt. Die Geschichte hat keine besondere erzählerische Tiefe, doch die Neugier auf den Planeten, auf Thomas, und auf das Geheimnis hinter Persephone zieht einen konstant vorwärts.

Aphelion Screenshot 03

Besonders packend: der Sci-Fi-Einfluss verleiht dem Ganzen eine anhaltende Mystik. Magnetfelder, die den Planeten durchziehen, unerwartete Entdeckungen unter der Eisoberfläche und eine Welt, die mehr verbirgt als sie preisgibt. Aphelion weckt genau die Faszination, die das Sci-Fi-Genre so besonders macht: die Ahnung, dass dieser fremde Planet eigene Regeln hat, die man erst noch begreifen muss.

Aphelion Screenshot 04

Solide, zugänglich, mit atmosphärischem Sog

Aphelion ist kein Gameplay-Schwergewicht. Klettern, Springen, Balancieren, Schleichen und gelegentliches Schwingen an der Seilwinde bilden das Grundgerüst. Das Leveldesign ist überwiegend linear, und die größte Herausforderung liegt manchmal schlicht darin, den nächsten Weg zu erkennen. Wer tiefgängige Mechaniken oder komplexe Rätsel sucht, wird nicht fündig.

Aphelion Screenshot 05

Und dennoch: Das Gameplay funktioniert. Es stellt sich nie in den Vordergrund, sondern dient der Atmosphäre. Steuerung und Handling auf der PS5 sind solide, der DualSense wird zwar nicht spektakulär ausgereizt, erfüllt aber seinen Zweck. Die Spielwelt zieht einen durch die geschickte Inszenierung in ihren Bann, und genau das macht den Unterschied zwischen einem Spiel, das man beendet, und einem, das man abbrechen möchte.

Aphelion Screenshot 06

Spürbar frischen Wind bringt der Perspektivwechsel zu Thomas. Er ist verletzt, sein Sauerstofftank beschädigt, und muss regelmäßig Nachschub auffüllen. Dieser subtile Zeitdruck und das etwas andere Bewegungsprofil sorgen für willkommene Abwechslung in der zweiten Spielhälfte, ohne das Spielgefühl grundlegend zu verändern.

Optik und Sound auf hohem Niveau

Auf der PS5 macht Aphelion optisch eine starke Figur. Die Eislandschaften von Persephone sind atmosphärisch dicht, die Beleuchtung in den Wrackteilen und Forschungsbasen überzeugt, und der visuelle Stil passt zur ruhigen, ernsten Tonalität des Spiels. Die Zusammenarbeit mit der ESA merkt man in Details: Labore, Forschungsstationen und Technik wirken glaubwürdig und geerdet, ohne zu trocken zu sein.

Der Sound ist eine der großen Stärken. Der Soundtrack setzt die Einsamkeit und das Mysterium des Planeten perfekt in Szene, und die vollständige Vertonung der Protagonisten trägt erheblich zur emotionalen Bindung bei. Arianes Selbstgespräche durch die Trümmerlandschaft gehören zu den einprägsamsten Momenten des Spiels.

Aphelion Screenshot 07

Unser Fazit zu Aphelion – Nicht perfekt, aber unvergesslich

Aphelion ist kein Spiel für jeden. Wer Gameplay-Tiefe, Action oder offene Welten sucht, schaut hier in die Röhre. Aber wer sich auf eine ruhige, atmosphärische Sci-Fi-Reise einlassen kann, findet auf Persephone ein Erlebnis, das emotional packt und nicht loslässt. Don’t Nod versteht es wie kaum ein anderes Studio, Spieler an eine Geschichte zu binden, auch wenn diese Geschichte keine Meistererzählung ist. Es ist das Mysterium, die Stimmung und die beiden überzeugenden Hauptfiguren, die Aphelion zu mehr machen als die Summe seiner Teile.

Aphelion ist für PlayStation 5 im Handel und digital im PlayStation Store erhältlich.

7.8
Gesamtwertung
Aphelion im Test: Eiskalte Spannung mit Herz und Mysterium

Aphelion ist ein stimmungsvolles Sci-Fi-Abenteuer, das mit einer emotionalen Geschichte und atmosphärischer Eiswelt überzeugt. Don't Nod bleibt seiner narrativen Stärke treu, liefert aber kein Spiel für Action-Fans. Wer ruhige, story-getriebene Adventures mag, wird auf Persephone gut unterhalten.

Gameplay 7.5
Grafik 8.0
Sound 8.0
Steuerung 7.5
Vorteile
  • Emotional mitreißende Geschichte
  • Packende Sci-Fi-Atmosphäre und Mystik
  • Abwechslungsreicher Perspektivwechsel zu Thomas
  • Hervorragender Soundtrack
  • Überzeugende Optik auf PS5
  • Viele Einstellungsoptionen zur Frust-Reduktion
Nachteile
  • Kaum erzählerische Tiefe
  • Gameplay wenig tiefgängig
  • Orientierung gelegentlich unklar
  • Geringer Wiederspielwert