Wer beim Namen Ryu Ga Gotoku Studio sofort an Karaoke-Nächte im fiktiven Kamurocho und riesige Bierdosen als Waffe denkt, wird mit Stranger Than Heaven auf eine völlig neue Reise geschickt. Sega und das Studio hinter der Like-a-Dragon-Reihe haben ihr nächstes Projekt enthüllt, und es ist deutlich ambitionierter, als viele erwartet hätten.
Von San Francisco nach Shinjuku – eine Identitätssuche
Im Mittelpunkt steht Makoto Daito, ein japanisch-amerikanischer Außenseiter. Seine Geschichte beginnt in San Francisco und führt ihn über fünf japanische Städte – von Kokura bis Shinjuku – mitten durch die turbulentesten Jahrzehnte der japanischen Moderne: Zweiter Weltkrieg, Besatzungszeit, Wiederaufbau.
Dass das Studio dabei die Figur des verstorbenen Schauspiel-Idols Bunta Sugawara mithilfe von Archivmaterial und KI als CG-Charakter Genzo Iwaki wiederbelebt, ist eine mutige künstlerische Entscheidung, die den cineastischen Anspruch des Projekts deutlich unterstreicht. Stranger Than Heaven will keine simple Gangster-Story erzählen, sondern echtes japanisches Gangsterkino auf ein Spiel übertragen.
Das duale Kampfsystem: links und rechts getrennt
Das wohl größte Fragezeichen hinter dem Titel ist gleichzeitig sein faszinierendstes Feature: Spieler steuern Makotos linke und rechte Körperhälfte unabhängig voneinander. Das verspricht eine taktischere, körperlichere Kampferfahrung als das klassische Brawler-System der Serie.
Das kann Innovation sein – oder es kann frustrieren. RGG hat bewiesen, dass sie mutige Systemwechsel meistern können (man denke an den Sprung zum Rundenklampf in Like a Dragon). Ob dieses Konzept in der Praxis flüssig funktioniert, wird erst das finale Gameplay zeigen.
„In einem gefährlichen und möglicherweise verhängnisvollen Amerika zu bleiben oder sein Glück in Japan zu versuchen – dem Heimatland seiner Mutter –, einem Ort, an dem viele Menschen genauso aussehen sollten wie er.“
– Executive Director Yokoyama
Knochenbrechen tagsüber, Bühnenshow abends: das Showman-System
Typisch RGG: Neben dem Kampf gibt es ein komplett eigenes Minisystem, das auf den ersten Blick kaum zum Rest passt – und gerade deshalb brilliant klingt. Makoto sammelt Geräusche aus seiner Umgebung, vom Schnarchen der Nachbarn bis zu Kampfgeräuschen, und produziert daraus Musik für eigene Bühnenshows.
Der Soundtrack bekommt dabei Unterstützung von unerwarteten Namen: Snoop Dogg, die japanische Pop-Sensation Ado und Satoshi Fujihara sind beteiligt. Das unterstreicht, wie ernst das Studio das Showman-Element nimmt.
Großes Versprechen, eine offene Frage
Stranger Than Heaven sieht aus wie die konsequente Weiterentwicklung all dessen, was RGG Studio stark macht: cineastisches Storytelling, absurder Humor, ein überraschend tiefgehendes Nebensystem und ein historisch reichhaltiges Setting. Das 50-Jahre-Spektrum allein bietet enormes Potenzial – Waffen, Mode, Städte und Gesellschaft verändern sich, das Gameplay kann entsprechend mitwachsen.
Die einzige echte Skepsis gilt dem dualen Körper-Kampfsystem. Wenn es sich unintuitiv anfühlt, kann es den gesamten Flow zerstören. Wenn es klappt, könnte es das frischeste Kampfgefühl seit Jahren sein.
Stranger Than Heaven kann ab sofort im PlayStation Store der Wunschliste hinzugefügt werden.







