Zwischen Gießkanne und Geisterwelt liegt bei Tales of Seikyu erstaunlich wenig Platz. Das von ACE Entertainment entwickelte und von Fireshine Games veröffentlichte Life Sim verbindet die gemütliche Feldarbeit klassischer Farming Games mit japanischer Yokai Mythologie und einer gehörigen Portion Verwandlungsmagie. Wir haben uns mehrere Spielstunden lang auf der Insel Seikyu niedergelassen, einen verfallenen Bauernhof wieder aufgebaut und dabei herausgefunden, ob sich das Spiel tatsächlich neben Genregrößen wie Stardew Valley behaupten kann.
Gameplay: Vom Fuchsklan Erbe zur Inselgemeinschaft
Zu Beginn schlüpfen wir in die Rolle eines Nachfahren des sagenumwobenen Fuchsklans, der auf die Insel Seikyu zurückkehrt, um den verlassenen Hof der eigenen Vorfahren wieder zum Leben zu erwecken. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Einstieg in ein Farming Spiel wirkt, entpuppt sich schnell als deutlich vielschichtiger. Neben dem Anbau saisonaler Ernte, dem Ausbau des Hofes und dem Sammeln von Ressourcen dreht sich in Seikyu vieles um die Beziehungen zu den ungewöhnlichen Inselbewohnern, darunter der nachdenkliche Fischer Torleone, der stets beschäftigte Zimmermann Sasaki und die wachsame Himmelswächterin Nyotengu.
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Spiels ist die Shapeshifting Mechanik. Als Nachfahre des Fuchsklans können wir uns in verschiedene Geistformen verwandeln und dadurch neue Wege durch die Spielwelt erschließen. Als Wildschwein durchqueren wir dichtes Gestrüpp, als Tengu segeln wir über Klippen hinweg und als Wassergeist tauchen wir zu versunkenen Schätzen ab. Jede Form eröffnet eigene Erkundungsmöglichkeiten und verleiht der Weltstruktur einen Hauch von The Legend of Zelda: Breath of the Wild, was der reinen Feldarbeit spürbar mehr Tempo verleiht.


Dazu kommen Festivals, die sich am Wechsel der Jahreszeiten orientieren, ein Beziehungssystem mit Dialogen, die sich über die Spielzeit organisch weiterentwickeln, sowie kleinere Rätsel in den Ruinen der Insel. Für Fans klassischer Life Sims bietet Tales of Seikyu damit spürbar mehr Substanz als reine Ackerbau Klone, ohne dabei die entspannte Grundstimmung des Genres zu verlieren.
Auch das Tierreich der Insel darf nicht fehlen. Im Laufe des Spiels lassen sich verschiedene Tiere adoptieren und rund um den Hof ansiedeln, was der eigenen Basis zusätzlich Leben einhaucht. Wer tiefer in die Beziehungen investiert, kann engere Bande zu einzelnen Inselbewohnern knüpfen, die sich bis hin zu romantischen Beziehungen entwickeln lassen. Diese Ebene wirkt in unserem Test angenehm undramatisch inszeniert und fügt sich organisch in den Tagesablauf ein, statt sich wie ein aufgesetztes Zusatzsystem anzufühlen.
Auch der Ausbau des eigenen Anwesens bleibt über viele Spielstunden motivierend. Neue Werkzeuge, größere Lagerkapazitäten und zusätzliche Anbauflächen schalten sich in einem angenehmen Tempo frei, sodass wir uns in keiner Phase unseres Tests gelangweilt oder überfordert gefühlt haben. Besonders positiv fällt auf, dass die verschiedenen Spielsysteme ineinandergreifen. Ressourcen aus der Erkundung fließen in den Hofausbau, der Hofausbau wiederum eröffnet neue Dialoge und Beziehungsmomente mit den Inselbewohnern.


Grafik und Sound: Aquarellhafte Yokai Idylle
Optisch setzt Tales of Seikyu auf einen warmen, fast aquarellartigen Kunststil, der die vier Jahreszeiten der Insel in sattes Licht taucht. Kirschblüten im Frühling, satte Grüntöne im Sommer, goldenes Herbstlaub und leiser Schneefall im Winter sorgen für eine spürbar lebendige Welt, die sich niemals statisch anfühlt. Die Charaktermodelle der Inselbewohner sind liebevoll gezeichnet und tragen deutlich japanische Yokai Einflüsse, von den Fuchsohren bis zu den detailreichen Kostümen der Festivalszenen.
Auch klanglich überzeugt Tales of Seikyu auf ganzer Linie. Die Musikuntermalung wechselt angenehm unaufdringlich zwischen ruhigen Klaviermelodien während der Feldarbeit und verspielteren Themen bei Festivals oder Erkundungstouren. Umgebungsgeräusche wie das Rauschen der Wellen am Dock oder das Rascheln der Bäume während der Verwandlung runden das audiovisuelle Gesamtbild angenehm ab. Wer stimmungsvolle Cozy Games mag, findet hier eine sehr gelungene Umsetzung im Genre.
Besonders gut gefällt uns im Test, wie unterschiedlich sich die einzelnen Tiergestalten auch optisch und klanglich anfühlen. Der Sprung ins Wasser als Wassergeist wird von einem sanften Plätschern begleitet, während der Flug als Tengu von einem leichten, fast schwebenden Windgeräusch untermalt wird. Solche Details unterstreichen, wie viel Sorgfalt das Team von ACE Entertainment in die audiovisuelle Gestaltung der Verwandlungsmechanik gesteckt hat, statt sie als reines Gameplay Feature zu behandeln.

Technik und Steuerung auf dem PC
Auf dem PC läuft Tales of Seikyu in unserem Test überwiegend rund. Die Ladezeiten beim Betreten neuer Inselbereiche halten sich in Grenzen, gelegentliche Ruckler traten bei uns vor allem während belebter Festivalszenen mit vielen Charakteren gleichzeitig auf. Grafikoptionen lassen sich im Menü fein justieren, wodurch sich der Titel auch auf schwächerer Hardware angenehm spielen lässt, ohne dass die stimmungsvolle Optik zu sehr leidet.
Die Steuerung per Maus und Tastatur funktioniert weitgehend intuitiv, gerade beim Bestellen der Felder und beim Navigieren durch die Menüs. Wer lieber mit Controller spielt, wird ebenfalls bedient, die Belegung wirkt durchdacht und die Shapeshifting Formen lassen sich über Schnellzugriffe zügig wechseln. Kleinere Unschärfen zeigen sich aktuell noch bei der Kollisionsabfrage während der Tiergestalten, etwa wenn wir als Wildschwein durch enge Passagen manövrieren. Solche Kanten sind für ein Spiel in dieser Entwicklungsphase jedoch nachvollziehbar und dürften mit weiteren Updates verschwinden.
Insgesamt hinterlässt die technische Umsetzung auf dem PC in unserem Test einen soliden Eindruck. Kleinere Ecken und Kanten sind nachvollziehbar und dürften mit weiteren Updates verschwinden.

Unser Fazit zu Tales of Seikyu
Tales of Seikyu zeigt eindrucksvoll, wie viel frischen Wind ein gut durchdachtes Zusatzsystem einem bekannten Genre einhauchen kann. Die Kombination aus gemütlicher Feldarbeit und Yokai inspirierter Verwandlungsmagie fühlt sich in unserem Test nie aufgesetzt an, sondern wie ein natürlicher Bestandteil der Inselwelt. Kleinere technische Ecken und Kanten trüben den Gesamteindruck kaum, dafür ist die Weltgestaltung zu liebevoll und die Spielschleife zu motivierend.
Wer entspannte Life Sims mag und gleichzeitig etwas mehr Erkundung und Fantasy Atmosphäre sucht, sollte Seikyu auf dem Schirm behalten. Für uns als PlayStation Community hoffen wir besonders auf eine baldige PS5 Ankündigung mit konkretem Termin, denn dieses Inselabenteuer hat definitiv das Potenzial, auch auf der Couch zu begeistern.
Tales of Seikyu verbindet gemütliches Farming mit Yokai Magie und Shapeshifting und überzeugt trotz kleinerer technischer Schwächen mit viel Charme und Atmosphäre.
- Charmanter Aquarell Grafikstil mit stimmungsvollem Jahreszeitenwechsel
- Shapeshifting Mechanik sorgt für spürbar mehr Erkundungstiefe als übliche Farming Games
- Liebevoll geschriebene Charaktere mit organisch wachsenden Beziehungen
- Angenehmer, unaufdringlicher Soundtrack
- Vereinzelte Performance Einbrüche bei belebten Festivalszenen
- Kleinere Kollisionsprobleme in den Tierformen & vereinzelte Bugs
- Spielschleife wiederholt sich im späteren Spielverlauf spürbar
- Menüführung beim Inventar wirkt an einigen Stellen unübersichtlich







