Big Walk im Test: Warum diese PS5-Wanderung mit Freunden zum Highlight des Jahres wird

Big Walk

Von den Machern von Untitled Goose Game hätte man vieles erwartet, aber wohl kaum ein Spiel, das so leise und zugleich so wirkungsvoll daherkommt wie Big Walk. Entwickler House House und Publisher Panic schicken bis zu zwölf Spielerinnen und Spieler gemeinsam auf eine namenlose Insel, ohne Questmarker, ohne Tutorials, ohne erklärende Textboxen. Was bleibt, ist die pure Zusammenarbeit, und genau darin liegt die Stärke dieses Titels. Wir haben uns mit einer Gruppe von Freunden auf den Weg gemacht und erklären, ob sich der große Spaziergang auf der PS5 lohnt.

Gameplay: Puzzeln ohne Handreichung

Das Grundprinzip von Big Walk ist schnell erklärt: Eine Gruppe von zwei bis zwölf Spielern landet auf einer weitläufigen Insel und muss gemeinsam Rätsel lösen, um voranzukommen. Über die Karte verteilt liegen Türme, die freigeschaltet werden wollen: Dafür braucht es unbestimmbare, fruchtähnliche Trophäen, die wiederum Schlüssel liefern, mit denen sich die Insel leichter bereisen lässt. Klingt simpel, entfaltet sich im Spiel aber zu einem verblüffend vielschichtigen System.

Was Big Walk von anderen Koop-Titeln abhebt, ist die konsequente Zurückhaltung des Designs. Es gibt keine Karten-Pins, keine Hinweise, keine Fortschrittsbalken. Stattdessen müssen Gruppen selbst herausfinden, wie ein Rätsel funktioniert, sich Aufgaben aufteilen und Pläne absprechen, bevor sie sich trennen. Genau dieses Element, nämlich Absprache treffen, dann auseinandergehen und der eigenen Erinnerung sowie dem Vertrauen in die Mitspieler folgen, bildet den roten Faden durch das gesamte Abenteuer. Jedes der wenigen Kernmechaniken wird im Verlauf des Spiels immer wieder neu kombiniert, sodass sich kaum ein Rätsel wie das vorherige anfühlt.

Statt Marker folgt man vielmehr dem eigenen Gedächtnis, der Kommunikation mit der Gruppe und einer gehörigen Portion Vertrauen. Wer sich auf dieses Prinzip einlässt, wird mit einem Gefühl von echter Entdeckung belohnt, das viele moderne Koop-Spiele längst verloren haben.

BigWalk Screenshot 01

Grafik und Sound: Reduziert, aber wirkungsvoll

Optisch setzt Big Walk auf einen betont reduzierten, cleanen Stil: Die Charaktere erinnern an bunte, langnasige Schneemänner mit schlaksigen Gliedmaßen, die Umgebungen bestechen durch klare Linien und ein warmes, freundliches Farbschema. Das mag auf den ersten Blick unspektakulär wirken, entfaltet im Spiel selbst aber eine ganz eigene Wirkung: Jede Zone der Insel hat einen erkennbaren visuellen Charakter, vom dichten Wald über offene Strände bis zu geheimnisvollen Höhlensystemen.

Richtig herausragend ist jedoch das Sounddesign. Herzstück ist der Proximity-Chat, bei dem die Umgebung direkten Einfluss auf die Stimmen der Gruppe nimmt. Je weiter man sich von den Mitspielern entfernt, desto leiser und undeutlicher werden sie, in engen Höhlengängen bekommt jedes Wort einen spürbaren Nachhall, dicke Wände schlucken ganze Satzfetzen, und selbst das schlichte Walkie-Talkie sorgt mit seinem charakteristischen Rauschen für zusätzliche Atmosphäre. Dieses System ist technisch beeindruckend umgesetzt und trägt maßgeblich zur Atmosphäre bei. Wer durch einen Gang läuft, hört den Hall der eigenen und fremden Stimmen förmlich mitwachsen; wer sich hinter einer Wand versteckt, muss sich auf gedämpfte Bruchstücke von Sätzen verlassen. Auch die musikalische Untermalung, komponiert von Sam Gill und Luke Neher, bleibt dezent im Hintergrund und lässt der Kommunikation der Gruppe genug Raum, ohne dabei belanglos zu wirken.

BigWalk Screenshot 02

Koop-Multiplayer: Das eigentliche Herzstück

Big Walk ist in erster Linie ein soziales Erlebnis, und das merkt man in jeder Minute. Gespielt wird mit zwei bis zwölf Personen, wobei kleinere Gruppen ein fokussiertes, fast schon meditatives Erlebnis bieten, während große Gruppen für herrliches Chaos sorgen. Eine Zufalls-Matchmaking-Funktion gibt es bewusst nicht: Man bringt seine eigene Gruppe mit, was dem Spiel eine persönliche, fast schon intime Note verleiht.

Der entscheidende Kniff ist dabei die bereits erwähnte Proximity-Chat-Mechanik: Wer stattdessen über Discord oder eine externe Party-Chat-Funktion kommuniziert, hebelt einen zentralen Bestandteil des Spieldesigns aus. Rätsel sind bewusst so gestaltet, dass Kommunikation zeitweise erschwert oder unmöglich gemacht wird, etwa wenn man sich in getrennten Räumen befindet und auf Gesten, Walkie-Talkies, Leuchtsignale oder ein Megafon zurückgreifen muss. Wer sich diesem Konzept verweigert, verliert einen erheblichen Teil der Magie, die Big Walk ausmacht.

Neben den eigentlichen Rätseln bleibt viel Raum zum gemeinsamen Nichtstun: Man kann sich hinsetzen und den Sonnenuntergang beobachten, mit dem Fernglas Unsinn treiben oder einfach nur durch die Landschaft schlendern. Genau diese ungezwungenen Momente zwischen den eigentlichen Herausforderungen sind es, die bei vielen Spielern für die stärksten Erinnerungen sorgen. Dank Crossplay lässt sich zudem plattformübergreifend mit Freunden auf PC, Nintendo Switch 2 und PS5 spielen.

BigWalk Screenshot 03

Technik und Steuerung auf PS5

Auf der PlayStation 5 profitiert Big Walk von den haptischen Fähigkeiten des DualSense-Controllers: Unterschiedliche Untergründe wie Sand, Fels oder Waldboden lassen sich über feines haptisches Feedback beim Gehen spüren, was dem an sich simplen Fortbewegungssystem eine zusätzliche taktile Ebene verleiht. Die Steuerung selbst bleibt bewusst reduziert: Laufen, interagieren, gestikulieren, mehr braucht es nicht, was dem ruhigen, unaufgeregten Grundton des Spiels entgegenkommt.

Kleinere Kritikpunkte gibt es dennoch. Die Laufanimation reagiert mitunter träge auf unebenes Gelände, an kleinen Hindernissen wie Bordsteinkanten oder dichtem Gebüsch kann der Bewegungsfluss ins Stocken geraten. Das ist ärgerlich, gerade weil man dadurch schneller von der Gruppe getrennt wird. Wer auf PS5 spielt, bekommt technisch aber die stabilste Konsolenversion, so läuft Big Walk auf Sonys Konsole rund und ohne nennenswerte Aussetzer. Wichtig für alle, die planen, gemeinsam über die heimische Playstation-Party-Chat-Funktion zu kommunizieren: Der Proximity-Chat funktioniert ausschließlich über den spieleigenen Voice-Chat. Wer stattdessen die PS5-Partyfunktion nutzt, umgeht damit unweigerlich einen zentralen Baustein des Spielkonzepts.

Ein weiterer praktischer Pluspunkt: Big Walk war als Teil der PlayStation-Plus-Essential-Auswahl im August-Lineup enthalten, wodurch Abonnenten kostenlos einsteigen konnten, eine Einladung, die angesichts des Fokus auf große Gruppen durchaus Sinn ergibt.

BigWalk Screenshot 04

Unser Fazit zu Big Walk

Big Walk ist kein Spiel im klassischen Sinn, sondern eher eine gemeinsame Erfahrung, die man mit Freunden teilt. Wo viele aktuelle Koop-Titel auf Chaos, schnelle Belohnungsschleifen und beliebige Zufallsgeneratoren setzen, verlässt sich House House ganz auf durchdachtes Rätseldesign, ein herausragendes Sounderlebnis und die Bereitschaft der Spieler, tatsächlich miteinander zu reden. Wer sich auf den bewusst zurückhaltenden Ansatz einlässt und den Proximity-Chat ernst nimmt, wird mit einem der stimmigsten und persönlichsten Koop-Erlebnisse der letzten Jahre belohnt.

Auf der PS5 präsentiert sich Big Walk technisch solide, mit charmanter haptischer Unterstützung durch den DualSense und einer stabilen Konsolenversionen im Plattformvergleich. Kleinere Schwächen bei der Bewegungssteuerung auf unebenem Terrain trüben das Bild nur geringfügig. Unterm Strich ist Big Walk eine klare Empfehlung für alle, die eine feste Gruppe von zwei bis zwölf Freunden zusammenbekommen und bereit sind, sich unterwegs auch mal zu verlieren, um sich am Ende umso mehr zu freuen, sich wiederzufinden.

8.8
Gesamtwertung
Big Walk im Test: Warum diese PS5-Wanderung mit Freunden zum Highlight des Jahres wird

Big Walk verzichtet auf Hilfestellungen und setzt voll auf Kommunikation, Vertrauen und Zusammenhalt der Gruppe. Ein leises, cleveres Koop-Erlebnis mit herausragendem Sounddesign, das auf PS5 technisch überzeugt.

Gameplay 9.0
Grafik 8.5
Sound 9.0
Steuerung 8.5
Vorteile
  • Durchdachtes Rätseldesign ohne Hinweise oder Wegmarker
  • Herausragender Proximity-Chat mit hoher atmosphärischer Wirkung
  • Starkes Gefühl von echter Zusammenarbeit und persönlichen Erinnerungen
  • Flexible Gruppengröße von zwei bis zwölf Personen
  • Crossplay zwischen PC, PS5 und Nintendo Switch 2
  • Stabile technische Umsetzung mit haptischem DualSense-Feedback
Nachteile
  • Kein Zufalls-Matchmaking, man braucht eine eigene feste Gruppe
  • Ohne konsequente Nutzung des Proximity-Chats geht viel Spielwirkung verloren
  • Laufanimation reagiert auf unebenem Gelände mitunter träge
  • Charaktere bleiben gelegentlich an kleinen Hindernissen hängen

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