Farming Camp im Test: Zeitmanagement, Minispiele und Camp-Alltag

Farming Camp

Cozy Games haben in den letzten Jahren einen festen Platz in unserem Spieleregal erobert, und mit Farming Camp wagt sich Publisher SOEDESCO gemeinsam mit Entwickler Innerfire Studios an eine eigene Variante des Genres. Statt der klassischen Erbfarm schickt uns das Spiel in ein Sommercamp voller Wettbewerb und Freundschaften. Wir haben Zeit bei Alessandra und ihrer Crew verbracht und verraten euch, ob sich der Ausflug nach Evertree lohnt.

Gameplay: 27 Tage zwischen Ernte, Stundenplan und Camp-Alltag

In Farming Camp schlüpfen wir in die Rolle der jungen Alessandra, lange bevor sie zur bekannten Evertree Farmerin wird. Gemeinsam mit zwei weiteren Camper:innen bilden wir ein Dreierteam, das gegen andere Gruppen um den Titel des besten Camp-Teams antritt. Der Ablauf ist klar strukturiert: 27 Camp-Tage sind jeweils in Vormittag, Nachmittag und Abend unterteilt, und für nahezu jede Aktivität, ob Unterricht, Gespräche mit Mitcamper:innen oder Arbeiten auf dem Feld, müssen wir einen dieser Zeitblöcke einplanen. Das führt zu spürbaren Entscheidungen: Verbringen wir Zeit mit einer Camp-Kollegin, um die Beziehung zu vertiefen, oder stecken wir die Stunde lieber in Punkte für den Teamwettbewerb?

Diese Zeitmanagement-Komponente ist die größte Stärke des Spiels, sorgt aber auch für den ersten Wermutstropfen. Die Geschichte hinter dem freundlichen Camp-Anstrich schlägt teilweise ernstere Töne an. Viele Figuren, ob Camper:in oder Lehrkraft, haben ihre eigenen Sorgen und Konflikte, und der Ton der Dialoge wechselt zwischen humorvoll und direkt bis konfrontativ. Das gibt der Geschichte mehr Ecken und Kanten, als man von einem Cozy-Farming-Spiel gewöhnlich erwartet, und wird je nach Geschmack unterschiedlich ankommen.

Farming Camp Screenshot 01
Farming Camp Screenshot 02

Farmen, Fischen und Minispiele

Das Farmen selbst ist ganz klassisch: Wir bestellen Felder mit Samen, gießen sie mit Wasser und ernten, sobald die Pflanzen bereit sind. Wer bereits andere Farming-Spiele kennt, findet sich sofort zurecht. Beim Fischfang setzt Farming Camp dagegen auf etwas Eigenes. Statt eines klassischen Angelspiels fahren wir mit einem Boot über den Fluss, fangen die Fische auf diesem Weg und müssen dabei Hindernissen ausweichen. Das sorgt für angenehme Abwechslung und hebt sich vom Standard des Genres ab. Auch die Versorgung von Tieren gehört zum Camp-Alltag.

Nahezu jede Aufgabe ist zudem als eigenes kleines Minispiel umgesetzt: Maschinen müssen bis zu einer Markierung betankt werden, Holz wird innerhalb eines eingeblendeten Trefferbereichs gehackt, Schädlinge werden auf Zeit zurück in den Boden geklopft, und auch das Kochen ist als Minispiel umgesetzt. Diese Vielfalt hält den Camp-Alltag über weite Strecken kurzweilig. Nach wenigen Spielstunden wiederholen sich die Abläufe jedoch merklich.

Farming Camp Screenshot 03

Umfang und Wiederspielwert

Wer nur die Hauptgeschichte verfolgt, ist überraschend schnell durch. Wir haben die zentrale Storyline in rund fünf Stunden abgeschlossen, was angesichts der dichten Dialogmenge im Verhältnis eher kurz ausfällt. Nebenaktivitäten wie Angeln, Tierpflege oder das Vertiefen einzelner Camp-Freundschaften strecken die Spielzeit zwar, echten Wiederspielwert bietet Farming Camp aufgrund der textlastigen Struktur aber kaum. Wer nur eine grobe Vorstellung gewinnen möchte, findet übrigens eine kostenlose Demo im PlayStation Store, die einen fairen Ausschnitt des Kernspiels zeigt.

Farming Camp Screenshot 04

Grafik und Sound: Charmanter Pixel-Look mit spürbaren Schwächen

Optisch setzt Farming Camp auf einen Pixel-Art-Stil in Draufsicht, und der gefällt uns richtig gut. Das Camp und seine Umgebung wirken liebevoll gestaltet und stimmig, der Look passt hervorragend zur entspannten Sommerstimmung des Spiels und macht Lust darauf, das Camp zu erkunden. Auch Fans des klassischen Pixel-Charmes dürften sich hier sofort wohlfühlen.

Beim Ton punktet das Spiel mit einer schönen Hintergrundmusik, die den Camp-Alltag angenehm begleitet. In den Dialogen gibt jede Figur ein eigenes Geräuschmuster von sich, was die Charaktere akustisch voneinander abhebt und ganz gut zur Präsentation passt.

Farming Camp Screenshot 05

Technik und Steuerung auf PS5

Auf der PlayStation 5 läuft Farming Camp größtenteils flüssig. Die Ladezeiten zwischen Camp-Bereichen sind kurz, und auch bei mehreren gleichzeitig aktiven Figuren und Tieren auf dem Bildschirm bleibt die Bildrate weitgehend stabil. Ganz frei von technischen Aussetzern ist die Version jedoch nicht: Beim Herumlaufen im Camp kommt es gelegentlich zu kurzen Rucklern, bei denen das Scrolling für einen Moment stockt. Dazu gesellen sich einige kleinere, aber wiederkehrende Bugs.

Die Steuerung mit dem DualSense-Controller fühlt sich dagegen durchweg intuitiv an. Werkzeugwechsel, Interaktionen und Menünavigation sind logisch belegt und schnell verinnerlicht. Positiv fällt die Unterstützung der Vibrationsfunktion auf: Beim Hacken, Gießen oder Ernten liefert der Controller ein dezentes haptisches Feedback, das die Spielhandlungen angenehm unterstreicht.

Farming Camp Screenshot 06

Unser Fazit zu Farming Camp

Farming Camp hat einen wirklich reizvollen Kern: die Kombination aus Zeitmanagement, Teamdynamik und abwechslungsreichen Minispielen funktioniert über weite Strecken. Leider bremsen der ungewohnt schroffe Umgangston unter den Teenager-Figuren, die spürbaren technischen Aussetzer und die überraschend kurze Hauptgeschichte den positiven Gesamteindruck merklich aus. Wer sich auf die Camp-Dynamik einlässt und über kleinere Macken hinwegsehen kann, findet ein solides, wenn auch nicht überragendes Cozy-Erlebnis.

7.0
Gesamtwertung
Farming Camp im Test: Zeitmanagement, Minispiele und Camp-Alltag

Farming Camp punktet mit charmanter Camp-Dynamik und guten Minispielen, wird aber durch Bugs, Ruckler und eine kurze Story merklich ausgebremst.

Gameplay 7.0
Grafik 7.5
Sound 7.0
Steuerung 7.5
Vorteile
  • Sehr schöner Pixel-Look
  • Stimmungsvolle Hintergrundmusik
  • Zeitmanagement mit echten Entscheidungen
  • Abwechslungsreiche Minispiele, darunter das Bootsfischen auf dem Fluss
Nachteile
  • Kurze Hauptgeschichte
  • Abläufe wiederholen sich schnell
  • Kleinere, wiederkehrende Bugs
  • Gelegentliche Ruckler beim Herumlaufen

Jetzt kommentieren

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x