Seit über zwei Jahrzehnten steht der Name Serious Sam für eines: gnadenlose Gegnermassen, überdimensionierte Waffen und schnörkellosen Arcade-Spaß ohne Umwege. Mit Serious Sam: Shatterverse wagt Entwickler Behaviour Interactive, bekannt für Dead by Daylight, nun den Sprung in ein völlig anderes Genre. Statt linearer Levelabfolge gibt es prozedural wechselnde Läufe, statt eines einzelnen Helden treffen gleich mehrere Versionen von Sam Stone aus zerbrochenen Paralleluniversen aufeinander. Wir haben uns für unseren Test durch mehrere Runs gekämpft und geprüft, ob aus dem Boomer-Shooter-Erbe ein überzeugendes Koop-Roguelite werden konnte.
Die Prämisse ist herrlich abgedreht: Antagonist Uber Mental hat die Grenzen zwischen den Realitäten gesprengt, wodurch Sams aus verschiedenen Dimensionen gemeinsam gegen seine fünf Lieutenants antreten müssen. Als Teil des sogenannten Serious Program reist man durch sich ständig verändernde Universen und beendet Kämpfe, die andere Versionen von sich selbst nicht gewinnen konnten. Bis zu fünf Spieler können gemeinsam in die Schlacht ziehen, was dem Koop-Gedanken der Serie eine völlig neue Dimension verleiht.
Gameplay: Vertraute Wucht in neuem Gewand
Im Kern bleibt Serious Sam: Shatterverse seinen Wurzeln treu. Große Arenen, gewaltige Gegnerwellen und ein Waffenarsenal, das klassische Serious-Sam-Ikonen mit neuen Werkzeugen kombiniert, sorgen für das gewohnte Grundgefühl. Wer stehen bleibt, macht in diesem Spiel schnell etwas falsch, ständige Bewegung ist Pflicht, nicht Kür.
Der große Unterschied liegt in der Struktur. Anstelle eines durchgängigen Levelpfads bewegt man sich durch wiederholbare Läufe mit wechselnden Karten, gesammelten Boons und Run-Modifikatoren, die jede Partie spürbar verändern können. Ein Lauf kann durch eine glückliche Kombination aus Verstärkungen zum reinen Machtrausch werden, während ein anderer durch unglückliche Modifikatoren, etwa extrem verlangsamte Bewegung bei gleichzeitig tödlichen Laserfallen, zur echten Zitterpartie wird. Genau dieses Wechselspiel macht für uns den größten Reiz aus.

Unser erster Eindruck war zugegebenermaßen zurückhaltend. Der Einstieg fühlt sich mit anfangs nur drei verfügbaren Waffen und wenig Abwechslung etwas dünn an. Wer aber dranbleibt, wird belohnt: Sobald neue Waffen, Perks und Elementarschäden freigeschaltet werden, gewinnt der Spielfluss deutlich an Tiefe. Die Baukastenmöglichkeiten für Builds werden von Lauf zu Lauf komplexer, und gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden entsteht eine Intensität, die uns immer wieder an die besten Momente der klassischen Serious-Sam-Teile erinnert hat.
Die Heilung ist interessant gelöst und an Nahkampfangriffe gekoppelt, was taktische Entscheidungen erzwingt und dem sonst reinen Distanzkampf eine zusätzliche Ebene verleiht. Kleinere Rätsel- und Plattformelemente lockern die reine Gegnerwellen-Struktur zwischen den Kämpfen zusätzlich auf, auch wenn der Fokus klar auf dem Niedermähen gewaltiger Feindmassen liegt. Besonders im Koop mit bis zu vier Mitstreitern entfaltet Serious Sam: Shatterverse seine größte Stärke, wenn koordiniertes Feuer und abgestimmte Boon-Setups bei den Lieutenant-Bossen über Sieg oder Niederlage entscheiden.


Grafik und Sound: Bunt, laut und mit Wiedererkennungswert
Optisch setzt Serious Sam: Shatterverse auf einen knalligen, comichaften Stil, der die Gegnermassen und Waffenexplosionen gut zur Geltung bringt. Die Arenen wirken handgefertigt und bieten trotz der prozeduralen Zusammensetzung genug visuelle Abwechslung, um nicht schnell eintönig zu wirken. Besonders in hitzigen Gefechtsmomenten, wenn Dutzende Gegner gleichzeitig über den Bildschirm stürmen, behält das Spiel die Übersicht, ohne dabei an Wucht zu verlieren.
Weniger überzeugend sind die Zwischensequenzen vor den Bossen. Diese wirken technisch in die Jahre gekommen und fügen sich nicht immer nahtlos in den restlichen Spielablauf ein. Hier hätten wir uns eine sauberere Übergangslösung gewünscht, auch wenn dieser Punkt dem eigentlichen Spielspaß keinen großen Abbruch tut.
Akustisch bleibt sich die Serie treu: Die charakteristischen Sprüche der verschiedenen Sam-Versionen sorgen im richtigen Moment für ein Schmunzeln, und der treibende Soundtrack unterstützt das actionreiche Tempo zuverlässig. Waffensounds haben genug Wucht, um das Gefühl roher Feuerkraft glaubhaft zu vermitteln, was gerade bei den größeren Wummen des Arsenals wichtig ist.

Technik und Steuerung auf PS5
Auf der PS5 läuft Serious Sam: Shatterverse spürbar flüssig, selbst wenn dutzende Gegner gleichzeitig über den Bildschirm fluten. Die Bildrate blieb in unserem Test auch in den chaotischsten Momenten stabil, was bei der schieren Gegnerdichte durchaus positiv hervorzuheben ist. Ladezeiten zwischen den Runs halten sich in einem angenehmen Rahmen und reißen den Spielfluss nicht unnötig auseinander.
Die DualSense-Integration wird gut genutzt. Vibrationsfunktion und adaptive Trigger sind unterstützt und vermitteln bei den unterschiedlichen Waffentypen ein spürbar variierendes Feedback, vom satten Rückstoß der Schrotflinte bis zum kontinuierlichen Widerstand automatischer Waffen. Das steigert die haptische Immersion angenehm, ohne aufdringlich zu wirken.
Etwas getrübt wird der technische Gesamteindruck durch das Waffenrad, das sich in hektischen Situationen nicht immer so präzise bedienen lässt, wie man es sich wünschen würde. Gerade unter Zeitdruck, wenn schnell zwischen mehreren Waffentypen gewechselt werden muss, hätten wir uns eine intuitivere Lösung gewünscht. Die Grundsteuerung selbst, Bewegung, Zielen und Ausweichen, geht dagegen leicht von der Hand und dürfte sowohl Genre-Veteranen als auch Neueinsteigern schnell vertraut werden.

Unser Fazit zu Serious Sam: Shatterverse
Serious Sam: Shatterverse ist ein mutiges Experiment, das seine Ausgangsschwierigkeiten überwindet und sich zu einem spaßigen Koop-Roguelite entwickelt. Wer dem eher zähen Einstieg eine Chance gibt, wird mit wachsender Build-Vielfalt, intensiven Bossfights und einer stimmigen technischen Umsetzung auf der PS5 belohnt. Für Fans der Serie und Roguelite-Liebhaber lohnt sich ein Blick allemal, besonders im Koop mit Freunden entfaltet das Spiel seine größte Stärke.
Serious Sam: Shatterverse braucht ein paar Runs zum Warmwerden, überzeugt danach aber mit großer Build-Vielfalt, starkem Koop-Spaß und stabiler PS5-Performance.
- Vertraute Serious-Sam-Wucht trifft auf frisches Roguelite-Gerüst
- Große Build-Vielfalt durch Boons, Perks und Run-Modifikatoren
- Starke Koop-Dynamik für bis zu fünf Spieler
- Solide Performance auch bei großen Gegnermassen
- Etwas zäher Einstieg mit anfangs begrenztem Waffenarsenal
- Technisch angestaubte Boss-Zwischensequenzen
- Waffenrad in hektischen Situationen nicht immer präzise







