Selten hat uns ein Weltraum-Shooter so lange gefesselt wie Everspace 2. Was Rockfish Games mit dem Nachfolger des Rogue-lite-Erstlings abgeliefert hat, ist ein waschechtes Action-RPG zwischen den Sternen, mit Loot, Story und einer handgefertigten Galaxie voller Geheimnisse. Wir haben uns für diesen Test durch die komplette Kampagne gekämpft und dabei auch die beiden Erweiterungen Titans und Wrath of the Ancients ausführlich gespielt, natürlich auf der PlayStation 5. Everspace 2 ist damit längst kein Early-Access-Geheimtipp mehr, sondern ein vollwertiges, inhaltsreiches Erlebnis, das man auf der Konsole nicht unterschätzen sollte.
Story: Zwischen Verrat, alten Freunden und einem großen Coup
Die Geschichte von Everspace 2 setzt mehrere Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils an. Wir übernehmen erneut die Rolle von Adam Roslin, einem der überlebenden Klonpiloten, der versucht, unter dem Radar der Kolonialflotte zu bleiben und sich in der entmilitarisierten Zone, kurz DMZ, ein neues Leben aufzubauen. Eine zufällige Begegnung mit einer Bande von Gesetzlosen wirft Adam aus der Bahn und bringt seine Vergangenheit ins Spiel. Um sich einen großen Coup zu ermöglichen, muss er sich mit den verschiedenen Fraktionen der Region arrangieren und ein Team aus Spezialisten zusammenstellen, das den Bruch überhaupt erst möglich macht.
Ganz nebenbei brodelt im Hintergrund ein größerer Konflikt. Während Adam durch die Sternensysteme von Cluster 34 reist, uralte Geheimnisse aufdeckt und sich durch gefährliches Territorium kämpft, spitzen sich die Spannungen zwischen der Menschheit und den Okkar zunehmend zu. Wer bereits das erste Everspace gespielt hat, erkennt einige zusätzliche Bezüge und Details, zwingend notwendig ist das aber nicht. Die im Spiel verteilten Codizes und die erzählten Storybeats holen auch Neueinsteiger:innen zuverlässig ab.
Ein großer Pluspunkt der Geschichte ist die Besetzung an Begleitcharakteren, die uns auf Adams Reise zur Seite stehen. Dax Bashar, ein Mitgefangener, der zum Mentor wird, die Medizinerin Dr. Delia Wendo, die fernab ihrer Heimat gestrandet ist, Heimatbasis-Ingenieur Corben „Ben“ Grendal und der bei Fans beliebte Gesetzlose Elek gehören zu den ersten Gesichtern, die wir kennenlernen. Insgesamt lassen sich im Spielverlauf sieben Begleiter:innen rekrutieren. Sie sind dabei mehr als nur Statisten auf der Heimatbasis, einige springen uns in brenzligen Kampfsituationen direkt zur Seite, andere schalten passive Boni frei, die sich mit Credits und Ressourcen weiter ausbauen lassen und im gefährlichen Alltag der DMZ einen echten Unterschied machen.


Gameplay: Von der Rogue-lite-Arena zum weitläufigen Loot-Universum
Wer den Vorgänger kennt, muss beim zweiten Teil komplett umdenken. Statt prozedural generierter Level und permanentem Tod erwartet uns in Everspace 2 eine offene, handgebaute Galaxie mit klassischer RPG-Struktur. Sechs Sternensysteme mit über 100 handgefertigten Arealen laden zum Erkunden ein, gespickt mit Geheimnissen, Rätseln und optionalen Herausforderungen. Wer sich auf die Hauptmissionen konzentriert und nur einen kleinen Teil der Nebenaufgaben erledigt, kommt nach rund 30 Stunden ans Ziel. Komplettierer:innen, die wirklich jede Nebenquest lösen, jedes Gebiet erkunden, jedes Rennen gewinnen und alle Ruf-Boni einsammeln wollen, dürfen hingegen mit deutlich über 60 Stunden Spielzeit ohne die Erweiterungen rechnen.
Das Kernspiel dreht sich um schnelle, arcadelastige Raumkämpfe, kombiniert mit Erkundung, Mining, Crafting und jeder Menge Loot. Neun Schiffsunterklassen verteilt auf vier Ausbaustufen stehen zur Auswahl, vom wendigen Scout über den schwer gepanzerten Bomber bis zum vielseitigen Gunship, und jede Klasse bringt eigene Perks sowie eine mächtige Ultimate-Fähigkeit mit. Auf uns warten außerdem elf verschiedene Fraktionen mit jeweils eigenen Schiffstypen und Verteidigungseinheiten, ein riesiges Angebot an Anpassungsoptionen für die eigene Flotte sowie sammelbare Baupläne, mit denen sich neue Crafting- und Zerlegeoptionen freischalten lassen. Hunderte Waffen- und Ausrüstungstypen, schnellreisbare Stützpunkte und abwechslungsreiche Fraktionsaufträge, die wertvolle Ruf-Boni bringen, sorgen dafür, dass uns auch nach vielen Spielstunden nie der Antrieb ausgeht, weiterzumachen.
Für alle, die nach dem Abspann noch nicht genug haben, gibt es die sogenannten Ancient Rifts als Endgame-Content. Hier fordern wir immer schwierigere Gegnerwellen heraus, um am Ende legendäre Waffen und Ausrüstung mit einzigartigen Eigenschaften zu erbeuten, ein spürbarer Anreiz, auch nach der Story noch lange in Cluster 34 zu verweilen.


Titans: Massive Gegner, aber mit Luft nach oben
Die erste Everspace 2 Erweiterung Titans bringt zwei gigantische neue Bedrohungen ins Spiel, den Dreadnought und den Leviathan. Diese wiederholbaren Großkampf-Encounter sind spektakulär inszeniert und belohnen uns mit exklusiven Waffen- und Ausrüstungssets, die es sonst nirgends gibt. Zwei neue Storylines mit alten und neuen Charakteren runden den Umfang ab. Im direkten Vergleich zur Hauptkampagne wirkt Titans inhaltlich aber etwas schmaler, wer auf große Erzählbögen steht, wird hier eher die actionlastigen Kämpfe als die Story im Kopf behalten.


Wrath of the Ancients: Der würdige Abschluss der Geschichte
Deutlich runder präsentiert sich die zweite und finale Erweiterung Wrath of the Ancients. Sie schließt die Geschichte von Adam Roslin konsequent ab, bringt über zehn Stunden zusätzliche Kampagne mit und öffnet gleich vier neue, vollständig erkundbare Sternensysteme, darunter die lange verschlossenen Okkar-Heimatwelten und das geheimnisvolle System Aethon. Eine neue Bedrohung, die sogenannten Ancients, greift menschliche Siedlungen an und zwingt uns, mit den Okkar zu verhandeln, die diese Wesen als Götter verehren. Wir dürfen dabei erstmals ein fliegbares Okkar-Schiff steuern, treffen auf ein erweitertes Ensemble bekannter und neuer Charaktere und stellen uns neuen Gegnertypen sowie fordernden Bossgegnern. Dutzende neue Orte voller Geheimnisse und frischer Rätseltypen, neue Legendaries, zusätzliche Crafting-Rezepte und Materialien machen Wrath of the Ancients zum bislang stärksten DLC der Serie und einem echten Highlight für alle, die Cluster 34 schon lieben.

Grafik und Sound: Ein audiovisuelles Fest zwischen den Sternen
Optisch gehört Everspace 2 nach wie vor zur Spitzenklasse des Genres. Die Sternensysteme wirken handgemacht statt prozedural, jedes Level hat einen eigenen visuellen Charakter, von schroffen Asteroidenfeldern über leuchtende Nebel bis zu den fremdartigen Okkar-Welten aus Wrath of the Ancients. Besonders die Übergänge zwischen All und Planetenoberflächen sind technisch beeindruckend gelöst und laden immer wieder zum Innehalten ein, nur um die Aussicht zu genießen.
Auch klanglich überzeugt das Spiel auf ganzer Linie. Der elektronische Soundtrack mit seinen Synthwave- und EDM-Einflüssen passt perfekt zur Stimmung und untermalt sowohl ruhige Erkundungsphasen als auch hektische Gefechte punktgenau. Die vollständige Vertonung, sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch, ist durchweg gut gelungen und verleiht der Geschichte um Adam, seine Begleiter:innen und ARC zusätzliches Gewicht. Kleinere Wiederholungen im Sounddesign bei längeren Kampfphasen fallen kaum ins Gewicht, insgesamt bleibt der Gesamteindruck audiovisuell rundum stimmig.

Technik und Steuerung auf PS5
Auf der PS5 läuft Everspace 2 fest im Performance-Modus mit 60 Bildern pro Sekunde. Rockfish Games hat nach eigener Aussage lange getestet und sich bewusst gegen einen wählbaren Grafikmodus entschieden, um Weltraumfans durchgehend das bestmögliche Spielgefühl zu bieten, und das zahlt sich im hektischen Kampfgetümmel spürbar aus. Auch in den actionreichsten Momenten mit vielen Gegnern und Partikeleffekten auf dem Bildschirm bleibt die Bildrate stabil. Ladezeiten beim Wechsel zwischen Systemen halten sich in Grenzen, was gerade bei der Vielzahl an Sternensystemen im späteren Spielverlauf spürbar zum flüssigen Spielgefühl beiträgt.
Besonders hervorzuheben ist die Umsetzung der DualSense-Funktionen, die exklusiv auf PlayStation 5 zur Verfügung stehen. Der adaptive Trigger reagiert abhängig von der Drucktiefe unterschiedlich stark auf den Schubantrieb, was dem Boosten ein ganz eigenes haptisches Gefühl verleiht. Beim Verbrauch von Waffenenergie oder Schub spüren wir feines haptisches Feedback im Controller, auch Ultimate-Angriffe werden mit eigenen Trigger-Sounds und -Effekten inszeniert. Beim Aktivieren von Geräten und Verbrauchsgegenständen sowie bei ankommenden Raketen kommen zusätzlich erweiterte haptische und Lautsprecher-Effekte zum Einsatz, die uns jederzeit spüren lassen, was gerade im Cockpit passiert. In Summe gehört Everspace 2 damit zu den Spielen, bei denen sich der DualSense-Controller wirklich lohnt.
Die Steuerung selbst geht leicht von der Hand und wurde spürbar auf die Bedürfnisse von Konsolenspieler:innen zugeschnitten. Das umfangreiche Menüsystem mit Talentbäumen, Inventar und Crafting wirkt anfangs etwas überladen, lässt sich mit dem Controller aber nach kurzer Eingewöhnung gut bedienen. Wer möchte, kann außerdem auf zahlreiche Zugänglichkeitsoptionen zurückgreifen, die das Spiel für eine breite Zielgruppe öffnen.

Unser Fazit zu Everspace 2
Everspace 2 ist auf PS5 ein waschechter Volltreffer für alle, die actionreiche Raumkämpfe mit einer tiefgehenden RPG-Struktur verbinden wollen. Die Hauptkampagne überzeugt mit einer packenden Geschichte um Adam Roslin, einer sympathischen Riege an Begleitcharakteren und handgemachten Sternensystemen voller Loot und Geheimnisse, während Titans zwar spaßige, aber etwas dünnere Zusatzinhalte liefert. Wrath of the Ancients hingegen rundet das Gesamtpaket als starker, storylastiger Abschluss hervorragend ab. Technisch läuft das Spiel auf der Konsole dank festem 60-fps-Performance-Modus stabil und flüssig, und die Steuerung mit dem DualSense macht durch cleveres haptisches Feedback zusätzlich Spaß. Wer Weltraum-Action mit Tiefgang sucht, findet hier eines der besten Genrevertreter der letzten Jahre.
Everspace 2 verbindet packende Raumkämpfe mit einer liebevoll gestalteten Galaxie und wird durch Wrath of the Ancients zu einem echten Genrehighlight.
- Packende Geschichte um Adam Roslin mit starker Begleiter-Riege
- Handgemachte, abwechslungsreiche Sternensysteme
- Motivierendes Loot- und Crafting-System mit Ancient Rifts als Endgame
- Wrath of the Ancients als starker Story-Abschluss
- Stimmiger Soundtrack und gute deutsche wie englische Vertonung
- Stabile 60 fps und cleveres DualSense-Feedback auf PS5
- Steuerung anfangs ungewohnt
- Titans inhaltlich etwas dünner als der Rest
- Menüsystem anfangs gewöhnungsbedürftig
- Kleinere Wiederholungen im Sounddesign bei langen Kämpfen







