Gaterdrik liegt in Trümmern. Draknar, der Gott der Kreaturen, ist tot, und sein göttliches Wesen wurde vom finsteren Halbgott Ixer gestohlen. Zurück bleiben die Adorer, eine Gemeinschaft von Monsterbändigern, die dem verstorbenen Gott bis heute die Treue halten. In diese Rolle schlüpfen wir mit Lukha, einem jungen Adorer, der sich auf den Weg macht, das Vermächtnis von Draknar zu retten und dabei nach und nach die Verschwörung hinter seinem Tod aufdeckt.
Die Prämisse von Adore klingt zunächst vertraut, erinnert unweigerlich an bekannte Monster-Sammelspiele. Doch schon nach den ersten Spielminuten wird klar: Hier verbindet sich das Sammeln und Trainieren von Kreaturen mit einem hektischen, actionlastigen Kampfsystem, das seine Wurzeln eher in Genres wie dem Action-Rollenspiel hat. Wir haben uns für unseren Test intensiv mit der PS5-Version auseinandergesetzt und verraten, ob diese ungewöhnliche Mischung aufgeht.
Gameplay: Sammeln, kämpfen, kombinieren
Im Zentrum von Adore steht das Einfangen und Einsetzen von Kreaturen im Kampf. Anders als in klassischen Genrevertretern läuft die Zeit während der Auseinandersetzungen durchgehend weiter. Wir weichen Angriffen aus, positionieren unsere Kreaturen und setzen Spezialfähigkeiten gezielt ein, sobald deren Energieleiste gefüllt ist. Das erzeugt von Beginn an ein deutlich dynamischeres Kampfgefühl als in rundenbasierten Genrekollegen und sorgt dafür, dass wir stets aufmerksam bleiben müssen.
Ein zentrales Element ist das Synergiesystem. Kreaturen entfalten im Team ihr volles Potenzial, wenn wir passende Kombinationen zusammenstellen, wodurch zusätzliche Fähigkeiten aktiviert oder bestehende verändert werden. Wer sich mit den Eigenschaften der über dreißig verschiedenen Kreaturen auseinandersetzt, kann so spürbar taktischere Teams zusammenstellen. Ergänzt wird das Ganze durch ein Trait-System, bei dem Expeditionen zu Draknar-Statuen unseren Gefährten einzigartige Eigenschaften verleihen, sowie durch Runen und Artefakte, mit denen sich die Fähigkeiten der Kreaturen weiter verfeinern lassen.
Auch abseits der Kämpfe gibt es einiges zu entdecken. Ein Koch-System erlaubt es uns, während der Erkundung gesammelte Zutaten zu besonderen Gerichten zu verarbeiten, die uns und unserem Team im weiteren Verlauf helfen. Diese zusätzliche Ebene sorgt dafür, dass sich Adore nicht nur auf das reine Kämpfen beschränkt, sondern uns dazu einlädt, die Spielwelt aktiv zu erkunden.
Wo Adore an Fahrt verliert, ist im mittleren bis späteren Spielverlauf. Die grundlegende Formel aus Erkunden, Kämpfen und Sammeln bleibt sich über weite Strecken sehr treu, ohne dass wesentliche neue Mechaniken hinzukommen. Wer bereits nach wenigen Stunden das Gefühl hat, alle zentralen Systeme durchschaut zu haben, wird die Wiederholungen in späteren Abschnitten stärker spüren als Spieler, die sich intensiv mit der Teamzusammenstellung beschäftigen.
Grafik und Sound: Charmant, aber nicht makellos
Optisch setzt Adore auf einen isometrischen Blickwinkel mit warmen, wasserfarbenähnlichen Texturen, die der Spielwelt eine angenehm handgemachte Atmosphäre verleihen. Die Kreaturen selbst sind liebevoll gestaltet und bringen genug visuelle Vielfalt mit, um beim Sammeln motiviert zu bleiben. Besonders während der eigentlichen Erkundung und in den Kämpfen wirkt der künstlerische Stil stimmig und rund.
Etwas gemischter fällt unser Eindruck bei den erzählerischen Elementen aus. Zwischensequenzen wirken stellenweise deutlich einfacher inszeniert als der Rest des Spiels, was in einem sonst so liebevoll gestalteten Titel etwas aus dem Rahmen fällt. Wer auf cineastische Präsentation Wert legt, wird hier kleinere Abstriche machen müssen. Für den Gesamteindruck der Spielwelt fällt dieser Punkt bei uns aber kaum ins Gewicht, da der Fokus klar auf dem Gameplay liegt.
Musikalisch begleitet uns Adore mit einem stimmungsvollen, an das Fantasy-Setting angepassten Soundtrack, der die Erkundung der verschiedenen Regionen Gaterdriks angenehm untermalt. Soundeffekte in den Kämpfen sind präzise und geben uns jederzeit ein klares Feedback über Treffer und Spezialfähigkeiten, was gerade in hektischeren Situationen wichtig ist.
Technik und Steuerung auf PS5
Auf der PS5 präsentiert sich Adore technisch solide. Während unseres Tests lief das Spiel durchgehend flüssig, Ladezeiten fielen kurz aus und größere technische Probleme sind uns nicht begegnet. Für ein Indie-Projekt dieser Größenordnung ist das ein positives Zeichen und sorgt dafür, dass der Spielfluss selten unterbrochen wird.
Die Steuerung auf dem DualSense geht intuitiv von der Hand. Ausweichrollen, das Wechseln zwischen Kreaturen und das Auslösen von Spezialfähigkeiten lassen sich schnell verinnerlichen, sodass wir uns bereits nach kurzer Eingewöhnung voll auf die taktischen Entscheidungen im Kampf konzentrieren konnten. Besondere Features des DualSense wie adaptive Trigger oder haptisches Feedback nutzt Adore hingegen nicht in nennenswertem Umfang, was angesichts des Kampfsystems durchaus zusätzliches Potenzial verschenkt.
Für Fans physischer Interaktion mit dem Controller bleibt Adore in dieser Hinsicht eher zurückhaltend, technisch gibt es an der PS5-Version aber wenig zu bemängeln.
Unser Fazit
Adore beweist, dass sich das Genre der Monster-Sammelspiele durchaus neu denken lässt. Die Kombination aus Echtzeit-Kämpfen im Stil eines Action-Rollenspiels und dem vertrauten Sammelgedanken sorgt für spannende erste Spielstunden, in denen wir uns intensiv mit Synergien und Teamzusammenstellungen beschäftigt haben. Der charmante visuelle Stil und die solide technische Umsetzung auf der PS5 runden den positiven Ersteindruck ab.
Etwas getrübt wird die Erfahrung durch den sich wiederholenden Spielverlauf, der im weiteren Fortschritt an Abwechslung verliert. Wer bereit ist, über diese Längen hinwegzusehen und sich für die taktischen Möglichkeiten des Synergiesystems begeistern kann, findet in Adore dennoch einen unterhaltsamen und optisch ansprechenden Titel, der sich angenehm von der Konkurrenz abhebt.







