Ein Zombie verliebt sich unsterblich in ein tiefgefrorenes Mädchen. Klingt nach einer ziemlich schrägen Idee, oder? Genau davon lebt Stupid Never Dies. In unserem Stupid Never Dies Test klären wir, ob das Action-Roguelite von GPTRACK50 mehr zu bieten hat als einen verrückten Einfall. Gegründet wurde das Studio vom früheren Capcom-Produzenten Hiroyuki Kobayashi. Wir sind mit Davy auf der PlayStation 5 durch die Dungeons gezogen und verraten euch, wie sich der schwächste Zombie der Monsterwelt schlägt.
Die Story: Weltuntergang mit Augenzwinkern
Die Welt von Stupid Never Dies hat bessere Tage gesehen. Im sogenannten Großen Krieg sind rund 98 Prozent der Menschheit gestorben, und mit ihnen ging fast das gesamte Wissen der Zivilisation verloren. Der König der Monster, kurz KOM, hat es samt seiner Armee aus Vampiren, Skeletten und anderen Kreaturen verschlungen und sich in ein gewaltiges Verlies tief unter der Erde zurückgezogen. Mittendrin steckt Davy, ein Zombie am untersten Ende der Gesellschaft. Als er auf Julia trifft, ein im Kälteschlaf liegendes Mädchen, ist es um ihn geschehen.
Der Ton der Geschichte erinnert an eine Liebeskomödie mit Augenzwinkern. Julia bleibt dabei meist Sehnsuchtsziel statt aktive Mitspielerin. Der trockene Humor und das ungleiche Duo tragen die Handlung trotzdem erstaunlich gut.


Sterben, lernen, stärker zurückkehren
Spielerisch folgt Stupid Never Dies dem Roguelite-Prinzip. Jeder Ausflug in die Tiefe beginnt mit Davys Grundwerten. Was du unterwegs an Stufen und Fähigkeiten sammelst, ist nach einem Ableben oder einem erfolgreichen Raid wieder weg. Dauerhaft bleiben dagegen Ausrüstung und Verbesserungen, die du in einem verlassenen Einkaufszentrum kaufst. Dieses Einkaufszentrum dient dir als Basis zwischen den Läufen.
Die Sorge vor stumpfer Wiederholung erweist sich als unbegründet. Der Fortschritt ist spürbar, die Erfahrungspunkte fließen großzügig. Wir haben deshalb auch nach vielen Anläufen noch Lust auf einen weiteren Versuch bekommen. Ein Lauf dauert ca. 10-15 Minuten und für den ersten kompletten Spieldurchgang solltest du rund 30 Stunden einplanen.


Verwandeln, umbauen, ausprobieren
Das Herzstück von Stupid Never Dies sind zwei Systeme, die sich gegenseitig ergänzen. Beim ersten verschlingt Davy die Kerne besiegter Gegner und übernimmt deren Gestalt. Als Werwolf flitzt er blitzschnell über das Schlachtfeld und verkettet Angriffe in der Luft. Als Harpyie hebt er ab und attackiert aus sicherer Entfernung. Weitere Formen warten darauf, entdeckt zu werden. Wir wollen dir das Staunen nicht nehmen.
Das zweite System betrifft Davys Körper selbst. Weil er ein Untoter ist, tauscht er Gliedmaßen gegen technische Waffen aus. Aus Armen werden Raketenwerfer oder gewaltige Klingen. Beide Systeme greifen ineinander. Daraus entstehen unzählige Builds, von nützlich bis herrlich albern. Du solltest dir in den ersten Stunden Zeit zum Experimentieren nehmen, denn später fordert das Spiel dich richtig.

Kämpfen mit Ecken und Kanten
Das Kampfsystem setzt auf Tempo. Du verkettest Angriffe zu Kombos, aktivierst Fähigkeiten mit Abklingzeit oder wehrst Attacken mit gutem Timing durch einen Dash ab. Läuft es kritisch, aktivierst du den Davy Burst. Dieser Wutmodus lädt sich durch Schaden auf und lässt das Geschehen noch wilder aussehen.
Perfekt ist das Ganze allerdings nicht. Gegen Gegnergruppen oder fliegende Feinde fehlt eine saubere Zielerfassung. Manche Treffer gehen dadurch ins Leere. Die Abschnitte selbst sind sehr geradlinig aufgebaut, zum Entdecken gibt es abseits einiger Geheimnisse kaum etwas. Ein Timer treibt dich zusätzlich an und schickt dich teils in die Basis zurück. Außerdem braucht der Einstieg Geduld, weil das Spiel seine Möglichkeiten erst langsam freigibt.

Grafik und Sound: Knallbunt und mit Punk im Blut
Optisch ist Stupid Never Dies ein Fest. Statt Realismus setzt das Spiel auf Cel-Shading mit kräftigen Linien, aggressiven Farben und leuchtenden Neontönen. Das geht weit über das übliche Hinzufügen dunkler Konturen hinaus. Die Charaktere sind ausdrucksstark, die Umgebungen schrill und im Kampf fliegen Partikel in Hülle und Fülle. Schade nur, dass der Timer kaum Raum lässt, die Schauplätze in Ruhe zu genießen.
Der Soundtrack liefert dazu den passenden Punk-Antrieb. Einprägsame Ohrwürmer sind rar, doch die Musik hält die Energie hoch. Gesprochen wird wahlweise auf Englisch oder in der japanischen Originalfassung. Die Stimmen sind überzogen und gelegentlich anstrengend, passen aber zum Humor des Spiels.

Technik und Steuerung auf PS5: Rund, flott und mit kleinen Komfortlücken
Technisch gibt es auf der PlayStation 5 nichts zu meckern. Du wählst zwischen zwei Grafikmodi. Der Performance-Modus setzt auf eine möglichst hohe Bildrate und opfert dafür etwas Bildqualität. Der Qualitätsmodus stellt die Optik in den Vordergrund und nimmt dafür eine geringere Bildrate in Kauf. Wir empfehlen für dieses Spiel den Performance-Modus, denn bei einem so schnellen Kampfsystem zählt jedes Bild. Kombos und Paraden reagieren dadurch spürbar direkter, und Gegner lassen sich leichter lesen.
Selbst wenn der Bildschirm vor Effekten überquillt, bleibt die Performance stabil. Spürbare Einbrüche bei der Bildrate haben wir nicht festgestellt. Das ist bei einem Spiel mit so viel Neon, Partikeln und Gegnern auf einmal keine Selbstverständlichkeit. Gerade in den hektischen Momenten rund um den Davy Burst behältst du die Übersicht.
Die Steuerung geht flott von der Hand. Kombos, Paraden und Fähigkeiten mit Abklingzeit lassen sich gut aneinanderreihen. Ein sauber getimter Konter fühlt sich belohnend an. Die Verwandlungen fügen sich nahtlos in den Kampffluss ein, sodass du mitten im Gefecht die Gestalt wechselst, ohne den Rhythmus zu verlieren. Auch die umgebauten Körperteile aus dem Body Hacking lassen sich intuitiv einsetzen. Nach kurzer Eingewöhnung sitzen die Abläufe.
Lediglich bei der Zielerfassung und der Kamera vermissen wir Komfort, den man in diesem Genre mittlerweile erwartet. Gegen mehrere Gegnergruppen oder fliegende Feinde fehlt eine präzise Fixierung. Manche Angriffe gehen dadurch daneben, und im Getümmel verliert man leicht den Überblick. Das trübt den sonst starken Eindruck, wirkt aber eher wie eine Designlücke als wie ein grundsätzliches Problem der Steuerung.

Unser Fazit: Ein schräger Zombie mit Mut zur Eigenart
Stupid Never Dies ist kein makelloses Spiel, aber ein erfrischend eigenwilliges und mutiges. Die Kombination aus Style Eat und Body Hacking sorgt für enorme Vielfalt. Das Kampfsystem macht richtig Laune. Auch der Look hebt sich wohltuend vom Genre-Einheitsbrei ab. Wer mit dem Zeitdruck, der manchmal ungenauen Zielerfassung und dem trägen Start leben kann, erlebt ein Abenteuer mit echtem Charakter und viel Humor.
Stupid Never Dies ist ein originelles, stilsicheres Action-RPG mit cleveren Ideen und viel Herz, das dem Genre frischen Wind einhaucht.
- Zwei ineinandergreifende Systeme für viel Build-Vielfalt
- Schnelles, wuchtiges Kampfsystem mit Paraden und Davy Burst
- Markanter Cel-Shading-Look mit Neonfarben
- Stabile Performance auf PS5
- Motivierender Fortschritt mit über 30 Stunden Spielzeit
- Die Fülle an Systemen verlangt etwas Eingewöhnung
- Zielerfassung fehlt und Kamera ungenau
- Sehr geradliniges Leveldesign
- Timer bremst die Erkundung
- Zäher Einstieg







