Jahrelang war ein Resident Evil Film für Fans vor allem eines: eine Geduldsprobe. Mit dem Resident Evil Film 2026 unternimmt Constantin Film nun den nächsten Neustart, und diesmal sitzt mit Zach Cregger ein Regisseur auf dem Stuhl, der mit Barbarian und Weapons längst bewiesen hat, dass er Horror und schwarzen Humor in einen Topf werfen kann, ohne dass der Eintopf ungenießbar wird. Wir haben uns den Film angesehen und verraten, ob er den Geist der Capcom-Reihe endlich einfängt oder ob es wieder nur der Name auf dem Plakat ist.
Kurz gesagt: Es ist die vermutlich spielnaheste Umsetzung der Reihe, obwohl der Film keinen einzelnen Teil der Spiele nacherzählt.
Story und Aufbau: Eine Nacht, ein Paket, kein Ausweg
Im Zentrum steht Bryan, gespielt von Austin Abrams. Er ist kein Elitesoldat und kein Superheld, sondern ein ziemlich normaler Typ, der in einer einzigen Nacht ein Paket abliefern will. Dass daraus ein Albtraum wird, liegt an einer Katastrophe, die sich zunächst gar nicht wie eine Katastrophe anfühlt. Schon nach wenigen Sekunden geht es los, ein langes Intro gibt es nicht. Der Film steigt mitten in die Situation ein und lässt uns kaum Zeit zum Durchatmen.
Das ist mutig und funktioniert erstaunlich gut. Statt Weltverschwörung und Konzernintrigen zu erklären, bleibt die Kamera dicht an Bryan. Wir wissen nur, was er weiß, und genau diese Perspektive erinnert an die besten Momente der Spiele: Man betritt einen Ort, ahnt, dass etwas nicht stimmt, und hat keine Ahnung, was hinter der nächsten Tür lauert.
Die Handlung ist dabei bewusst schlank gehalten. Der Film lebt von einer Abfolge von Aufgaben, die sich wie Missionen anfühlen und mit jeder Station gefährlicher werden. Wer eine komplexe Story mit Wendungen im Sekundentakt erwartet, wird sie nicht bekommen. Wer ein Gefühl von Spielstruktur auf der Leinwand erleben möchte, ist hier richtig.

Spielgefühl auf der Leinwand: Munition zählen, Ecken checken
Hier punktet Resident Evil am deutlichsten. Cregger und sein Team haben viele Elemente der Spielmechanik clever in Filmsprache übersetzt. Bryan sucht verzweifelt nach Munition, tauscht seine Waffen nach und nach gegen größere Kaliber ein und tastet sich vorsichtig um Ecken, um zu erkennen, was ihn dahinter erwartet. Der Film führt buchstäblich Buch über Patronen und Waffen. Wenn das Magazin leer ist, ist es leer, und einfache Lösungen gibt es selten.
Dieses Prinzip der knappen Ressourcen ist der Kern von Resident Evil. Es erzeugt Druck, weil jede Entscheidung Konsequenzen hat: Schießen wir, oder schleichen wir vorbei? Dass der Film dieses Gefühl nicht nur zitiert, sondern tatsächlich spürbar macht, ist eine echte Leistung. Man schaut Bryan nicht einfach zu, man rechnet mit, wie viele Schüsse noch übrig sind.
Besonders gelungen ist, dass der Film nie den Fehler macht, seinen Helden zu bequem auszustatten. Sobald eine Situation gelöst scheint, wirft Cregger die nächste Hürde in den Weg. Das hält die Spannung konstant hoch und passt hervorragend zum Rhythmus eines guten Survival-Horror-Spiels.

Monster und Make-up: Handgemachter Horror statt CGI-Matsch
Ein weiterer Pluspunkt ist das Kreaturendesign. Cregger setzt spürbar auf greifbare Effekte, auf tentakelartige Gliedmaßen, schleimige Wesen und Albtraumgestalten, die sich eher wie Animatronics als wie digitaler Brei anfühlen. Das gibt dem Film eine physische Präsenz, die man in aktuellen Blockbustern oft vermisst.
Die Monster bedienen sich teils bei den Spielen, gehen aber auch in deutlich wildere Richtungen. Da gibt es Mutationen mit Lovecraft-Anleihen, die zwischen Ekel und Faszination schwanken, und mit jeder Mission wird es verrückter. Einzelne Szenen, etwa eine Begegnung in der Kanalisation, bleiben als verstörende Bilder im Gedächtnis. Statt auf billige Jump Scares zu setzen, spielt der Film lieber mit Überraschungen: Wir wissen nie, in welche Richtung sich eine Kreatur als Nächstes verformt.
Wer Körperhorror mag, bekommt hier ordentlich Futter. Für zarte Gemüter sei gesagt: Der Film ist ab 18 Jahren angelegt und lässt es entsprechend krachen.

Austin Abrams und der Humor: Lachen zwischen zwei Schreien
Der Film steht und fällt mit seinem Hauptdarsteller, und Austin Abrams trägt ihn souverän. Er spielt Bryan als sympathischen, überforderten Jedermann, der gerne Haltung zeigt, aber nicht immer weiß, wie. Gerade seine komödiantische Seite sorgt für Entlastung, wenn die Spannung kaum noch auszuhalten ist. Die Nebenfiguren, darunter Zach Cherry, Kali Reis und Paul Walter Hauser, ergänzen das Ensemble, doch letztlich ist Resident Evil eine Ein-Mann-Show.
Der Humor ist dabei eine Stärke und gleichzeitig ein Risiko. Cregger liebt es, nach einer Schreckmoment-Spitze einen trockenen Gag zu setzen. Meistens klappt das, weil es an die absurden Dialoge und die schrägen Situationen der Spiele erinnert. An wenigen Stellen wirkt die Albernheit aber etwas zu verspielt, vor allem dann, wenn der Film das Tempo drosselt und der Funhouse-Ton den Horror verwässert. Wer es dauerhaft bierernst mag, wird sich daran reiben.

Inszenierung, Ton und Tempo: Eine Achterbahn ohne Ladebildschirm
Mit einer Laufzeit von knapp 90 Minuten ist der Film angenehm kompakt. Er rast von einem Highlight zum nächsten, ganz ohne Ladebildschirm dazwischen. Die Kamera bleibt beweglich und übersichtlich, die Szenen sind klar aufgebaut, und die verschneite Umgebung sorgt für eine eiskalte, bedrohliche Grundstimmung. Selbst Cregger leiht der Intercom-Stimme seine eigene Stimme, was ein hübsches Detail für Genre-Fans ist.
Allerdings hat das hohe Tempo seinen Preis. Gegen Ende wirkt der Film stellenweise holprig, das Finale fühlt sich weniger rund an als der Rest. Und wenn der Abspann einsetzt, bleibt das Gefühl, dass noch etwas mehr Luft für Figuren und Welt gutgetan hätte. Hier hätte ein wenig Mut zur Länge nicht geschadet.

Für wen eignet sich der Resident Evil Film 2026?
Vorab gab es Diskussionen, weil der Film nicht direkt auf einem einzelnen Spiel basiert. Wir halten das für unbegründet. Gerade weil Cregger nicht stur eine Vorlage abfilmt, sondern Struktur, Spielgefühl und Monsterdesign der gesamten Reihe verarbeitet, fühlt sich das Ergebnis erstaunlich treu an. Es ist weniger eine Nacherzählung als ein Destillat dessen, was Resident Evil ausmacht.
Fans der Reihe finden jede Menge Details, ohne dass Vorwissen nötig wäre. Auch Neulinge kommen bestens zurecht, denn die Geschichte ist leicht zugänglich. Wer sich nur für die Handlung der Spiele interessiert, wird dagegen weniger Futter bekommen als jemand, der das Spielgefühl sucht.

Unser Fazit: Kurz, brutal und überraschend treu
Der Resident Evil Film 2026 ist die lang ersehnte Spieleverfilmung, die verstanden hat, worum es bei der Marke geht: knappe Ressourcen, ekelhafte Kreaturen, Anspannung und eine Prise Galgenhumor. Zach Cregger liefert einen kompakten Horrorfilm ab, der sich wie ein gut gespielter Survival-Horror-Titel anfühlt. Kleine Schwächen im Finale und beim Tempo ändern nichts daran, dass dies ein Meilenstein für Videospielfilme sein könnte.
Zach Creggers Resident Evil ist ein kompaktes, brutal unterhaltsames Horror-Abenteuer, das sich wie ein gut gespielter Survival-Horror-Titel anfühlt, auch wenn das Finale schwächelt.
- Spürbares Spielgefühl durch Munitionsmangel und Missionsstruktur
- Handgemachte, kreative Monster mit Körperhorror-Charme
- Austin Abrams als sympathischer, glaubwürdiger Hauptdarsteller
- Gelungene Mischung aus Horror und schwarzem Humor
- Schlanke Laufzeit ohne Leerlauf
- Finale wirkt holprig und weniger stark als der Rest
- Der Humor kippt gelegentlich ins Alberne
- Dünne Story und wenig Raum für Nebenfiguren
- Fühlt sich zum Schluss fast zu kurz an







