Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok im Test: So schlägt sich die Erweiterung auf PS5

Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok

Eine Erweiterung, die eigenen Angaben zufolge 1,5-mal so groß ausfällt wie das Hauptspiel und fast die doppelte Spielzeit bietet, weckt automatisch Skepsis: Wird hier wirklich neuer Content geliefert, oder streckt man bekannte Systeme künstlich? Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok beantwortet diese Frage auf PS5 überwiegend positiv, allerdings mit ein paar Einschränkungen, die man vor dem Kauf kennen sollte.

Granblue Fantasy Endless Ragnarok Screenshot 01

Für wen lohnt sich Endless Ragnarok?

Die Erweiterung richtet sich klar an zwei unterschiedliche Zielgruppen, und beide werden unterschiedlich gut bedient. Wer Granblue Fantasy: Relink 2024 durchgespielt und danach beiseitegelegt hat, weil dem Postgame schlicht die Substanz fehlte, findet in Endless Ragnarok endlich den Grund zur Rückkehr, den viele gefordert haben. Wer das Spiel noch gar nicht kennt, sollte dagegen wissen: Die Erweiterung setzt storytechnisch am Ende der Hauptkampagne an, ein Einstieg direkt in Endless Ragnarok ergibt daher wenig Sinn. Zum Glück lässt sich das über die kostenlose Demo leicht klären, die einen frühen Story-Abschnitt sowie mehrere Quests solo oder im Koop bereitstellt und Fortschritt automatisch in die Vollversion übernimmt.

Das Kampfsystem: Erweitert, nicht neu erfunden

Wer ein völlig anderes Kampfgefühl erwartet, wird enttäuscht, und das ist gut so. Granblue Fantasy: Relink lebt von seinem Timing-basierten Team-Play, bei dem aufgeladene Arts und gemeinsam ausgelöste Skybound Arts über Sieg oder Niederlage entscheiden, und genau daran rüttelt die Erweiterung nicht. Stattdessen packt sie zusätzliche Entscheidungsebenen obendrauf.

Die auffälligste davon sind die Summons: Beschwörungen, die man im Storyverlauf freischaltet und teils über Lyria aktiv steuert, teils automatisch ins Kampfgeschehen eingreifen lässt. Interessant ist dabei weniger die Mechanik selbst als ihre Wirkung auf den Spielfluss: Kämpfe, die vorher reine Vier-Charaktere-Angelegenheiten waren, bekommen durch einen fünften, unberechenbaren Faktor mehr Varianz, was besonders in den späteren Chaos-Quests spürbar wird. Ergänzt wird das um Master Traits, ein Individualisierungssystem, das unabhängig von Waffen und Siegeln arbeitet und dadurch Build-Experimente ermöglicht, ohne bereits investierte Ausrüstung zu entwerten.

Granblue Fantasy Endless Ragnarok Screenshot 02

Den größten strukturellen Unterschied macht aber der neue Conflux-Modus. Er bricht mit dem linearen Missionsaufbau des Hauptspiels und setzt stattdessen auf eine roguelite-artige Lauf-Struktur mit mehreren Zyklen. Für ein Spiel, dem im Original ein echter Endgame-Loop fehlte, ist das die sinnvollste Neuerung der gesamten Erweiterung, auch wenn sie mit einer spürbaren Einschränkung kommt: Der Modus lässt sich bislang nicht im Koop spielen, was angesichts des kooperativen Grundgedankens von Granblue Fantasy: Relink überrascht.

Umfang statt Wiederholung

Cygames hätte es sich einfach machen und die neuen Systeme komplett ins Postgame verlagern können. Stattdessen verteilt Endless Ragnarok neue Charaktere wie Beatrix und Eustace bereits früh über den Story-Verlauf, während Gallanza, Maglielle, Fraux und Fediel später hinzustoßen. Das hat einen spürbaren Effekt auf das Spielgefühl: Statt eines späten Content-Bergs zieht sich die Erweiterung angenehm gleichmäßig durch die gesamte Spielzeit.

Erkauft wird das allerdings mit einem Pacing-Problem in der frühen Phase. Die neuen Story-Abschnitte rund um die „Ragnalia“ und die Portale ins Chaos brauchen etwas, um in Fahrt zu kommen, und die ersten neuen Bosskämpfe ziehen sich streckenweise unnötig in die Länge, bevor die Erweiterung ihren Rhythmus findet. Wer geduldig bleibt, wird belohnt, sobald die Chaos-Quests nach Abschluss von „The Tale of Bahamut’s Rage“ freigeschaltet sind, denn hier bündelt sich der anspruchsvollste und motivierendste Content des gesamten Pakets. Wer stattdessen lieber an bestehender Ausrüstung feilt, findet in den neuen Weapon-Awakening-Sidequests eine sinnvolle Ergänzung.

Granblue Fantasy Endless Ragnarok Screenshot 03

PS5-Fassung: Wo sich die Hardware bezahlt macht

Auf technischer Seite ist die PS5-Version die aktuell überzeugendste Art, Relink zu erleben. Die schnelle SSD verkürzt Ladezeiten spürbar, was bei einem Spiel mit häufigen Übergängen zwischen Erkundung und Bosskämpfen direkt ins Gewicht fällt. Wichtiger ist aber die Bildratenstabilität: Gerade wenn mehrere Summons, Gegner und Partikeleffekte gleichzeitig aktiv sind, ein Szenario, das durch das neue Beschwörungssystem deutlich häufiger vorkommt als im Original, bleibt das Geschehen auf PS5 angenehm flüssig. Genau das ist bei einem Spiel, dessen Kampfsystem auf präzises Timing setzt, keine Nebensächlichkeit, sondern spielentscheidend.

Der markante Cel-Shading-Look profitiert ebenfalls von der zusätzlichen Leistung: Charaktermodelle bleiben auch in überladenen Kampfszenen klar lesbar, was angesichts der gestiegenen Effektdichte durch die Summons nicht selbstverständlich ist. Klanglich untermalt der von Tsutomu Narita komponierte und um Nobuo-Uematsu-Beiträge ergänzte Soundtrack weiterhin sowohl ruhige als auch bombastische Momente, ergänzt um neues Material für die frischen Story- und Conflux-Abschnitte.

Steuerungstechnisch bleibt alles beim Bewährten: Der DualSense setzt Angriffe und Ausweichmanöver ohne spürbare Verzögerung um, haptisches Feedback bei größeren Treffern rundet das Ganze ab, ohne aufdringlich zu wirken. Wer mit Freunden auf anderen Plattformen spielen möchte, kann dank Crossplay problemlos mit PS4, PC oder Nintendo Switch 2 zusammenspielen, der Koop-Modus selbst läuft dabei zuverlässig und ohne merkliche Verzögerungen.

Granblue Fantasy Endless Ragnarok Screenshot 04

Die Schwachstellen im Detail

Neben dem fehlenden Koop im Conflux-Modus und dem trägen Einstieg in die neuen Story-Abschnitte gibt es einen weiteren Punkt, der sich im Verlauf des Tests häufiger bemerkbar machte: die schiere Effektfülle. Gerade in Kämpfen mit mehreren aktiven Summons, Skybound Arts und Gegnerangriffen gleichzeitig wird der Bildschirm streckenweise so überladen, dass wichtige Gegnertelegraphs im visuellen Chaos untergehen können. Das ist kein technisches Problem im Sinne von Framerate-Einbrüchen, sondern eines des Encounter-Designs, das mit der zusätzlichen Komplexität durch die Summons nicht ganz Schritt hält.

Granblue Fantasy Endless Ragnarok Screenshot 05

Unser Fazit zu Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok

Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok schafft, was viele Erweiterungen nicht schaffen: Es verändert, wie sich das Hauptspiel anfühlt, ohne dessen Identität zu verwässern. Summons und Master Traits geben dem Kampfsystem neue taktische Optionen, The Conflux liefert den lange vermissten Endgame-Loop, und die Verteilung neuer Charaktere über die gesamte Spielzeit verhindert, dass sich die Erweiterung wie ein reiner Postgame-Anhang anfühlt. Die PS5-Fassung setzt das technisch sauber um und macht durch stabile Bildrate und kurze Ladezeiten gerade die effektlastigeren neuen Kämpfe erst richtig spielbar. Kleinere Reibungspunkte wie der fehlende Conflux-Koop, das behäbige Story-Pacing zu Beginn und die gelegentliche visuelle Überladung schmälern den positiven Gesamteindruck nur wenig.

8.9
Gesamtwertung
Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok im Test: So schlägt sich die Erweiterung auf PS5

Endless Ragnarok erweitert das Kampfsystem sinnvoll und liefert mit The Conflux endlich den fehlenden Endgame-Loop, technisch überzeugt die PS5-Fassung mit stabiler Bildrate und kurzen Ladezeiten. Kleinere Abstriche bei Pacing und Koop schmälern den starken Gesamteindruck nur leicht.

Gameplay 9.0
Grafik 9.0
Sound 9.0
Steuerung 8.5
Vorteile
  • Bewährtes Kampfsystem sinnvoll um Summons und Master Traits erweitert
  • The Conflux liefert lang ersehnten Endgame-Content
  • Neue Charaktere über die gesamte Spielzeit verteilt
  • Stabile Bildrate und kurze Ladezeiten auf PS5
  • Zuverlässiger Crossplay-Koop
Nachteile
  • Story-Pacing zieht sich zu Beginn
  • Conflux-Modus nicht im Koop spielbar
  • Effektfülle sorgt teils für Unübersichtlichkeit

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