Fast drei Jahre nach dem Start in den Early Access hat das Frankfurter Studio Keen Games sein Survival-Action-RPG Enshrouded in die Version 1.0 geführt. Auf dem PC hat sich das Spiel längst eine große Fangemeinde erspielt, über fünf Millionen verkaufte Exemplare sprechen eine deutliche Sprache. Seit dem 15. Oktober 2026 dürfen wir nun auch auf der PS5 und der PS5 Pro durch den giftigen Nebel stapfen.
Spieler:innen erwartet ein Abenteuer, das Überleben, Basisbau, Erkundung und Kämpfe in einer riesigen Voxel-Welt vereint, auf Wunsch allein oder im Koop mit bis zu 16 Personen. Ob der Sprung vom PC-Erfolg auf den DualSense-Controller gelungen ist und wie gut Gameplay, Grafik, Sound und Technik auf der Konsole überzeugen, klären wir in unserem ausführlichen Test.
Vom Nebelflüchtling zum Herrscher über Embervale
Die Ausgangslage von Enshrouded ist schnell erzählt. Vor langer Zeit hat der Shroud, ein giftiger Nebel aus Miasma, das einst blühende Königreich Embervale verschlungen. Was in seinen Schwaden zurückblieb, ist kaum wiederzuerkennen. Verdorbene Kreaturen, mutierte Bestien und gespenstische Wesen streifen durch Ruinen, Wälder und Höhlen. Wer sich zu lange im dichten Nebel aufhält, spürt die Bedrohung am eigenen Leib. Als Flammengeborene:r erwachen wir in dieser zerstörten Welt und tragen einen letzten Funken Hoffnung in uns. Die Flamme des Altars weist uns den Weg, schenkt uns Schutz und macht Stück für Stück neues Leben möglich. Unser Ziel ist es, den Nebel zurückzudrängen und das verlorene Land wieder bewohnbar zu machen. Die Geschichte ist dabei eher Rahmen als Highlight, sie liefert aber genug Motivation, um immer wieder die nächste Ruine anzusteuern.

Überleben, Bauen und Erkunden im Wechsel
Der Kern von Enshrouded ist eine gelungene Mischung aus Survival, Crafting und Action-Rollenspiel. Wir sammeln Holz, Stein, Pflanzen und Erze, stellen Werkbänke auf und schalten nach und nach neue Rezepte frei. Aus einfachen Rohstoffen entstehen zunächst grobe Werkzeuge, später robuste Waffen, Rüstungen und Verbrauchsgüter. Auch das Überleben spielt eine Rolle. Wir müssen essen, kochen Mahlzeiten mit hilfreichen Boni und sorgen dafür, dass unsere Figur gut versorgt bleibt. Im Gegensatz zu manch härteren Genrevertretern bleibt der Druck dabei angenehm dosiert, sodass der Spielfluss selten leidet.
Besonders clever gelöst ist der Flammenaltar. Er markiert unsere Basis, ermöglicht das Bauen in seinem Umkreis und lässt sich mit wachsendem Fortschritt weiter ausbauen. Mit jeder Stufe wächst der Bereich, in dem wir frei bauen dürfen, und neue Handwerksstationen werden verfügbar. Außerdem schützt uns die Flamme vor dem Nebel, sodass die Basis zum sicheren Rückzugsort wird. Wer sie gemütlich einrichtet, wird mit Komfortboni belohnt. So entsteht ein Gefühl von Zuhause, das in vielen Genrevertretern fehlt.

Zum Gefühl von Zuhause tragen auch die Überlebenden bei, die wir in der Spielwelt finden. In Ruinen, Verliesen und Außenposten treffen wir immer wieder auf verirrte Seelen, die wir retten und anschließend am Flammenaltar beschwören dürfen. Dort angekommen, bekommen sie ein eigenes Zuhause in unserer Basis, wenn wir ihnen passende Unterkünfte bauen. Das lohnt sich gleich doppelt, denn jede Figur bringt neue Fähigkeiten mit. Der Schmied schaltet bessere Waffen und Rüstungen frei, die Bäuerin kümmert sich um das Farming und versorgt uns mit frischen Zutaten und der Alchemist öffnet den Zugang zu Tränken und Elixieren. So wächst unsere Siedlung Schritt für Schritt von einem einsamen Lager zu einem lebendigen Dorf, das uns spürbar durch das Spiel trägt.
Das Bausystem bei Enshrouded ist dank der Voxel-Technik fast grenzenlos. Wir graben Tunnel, ebnen Hügel ein, heben Gräben aus und errichten Burgen mit Türmen oder gemütliche Holzhütten. Die Landschaft lässt sich großflächig verformen, was Spielraum für ganz eigene Ideen schafft. Von der kleinen Hütte am Waldrand bis zur Festung hoch oben auf dem Felsen ist alles möglich. Wer nicht ständig basteln möchte, kann sich auf die Erkundung konzentrieren, denn auch ein einfaches Zuhause erfüllt seinen Zweck.
Beim Erkunden spielt Enshrouded seine Stärken in der Vertikalen aus. Gleiter und Enterhaken machen das Vorankommen angenehm dynamisch, und das Erklimmen von Türmen oder Felswänden wird zum kleinen Abenteuer für sich. Von Klippen zu springen und sanft ins nächste Tal zu schweben, gehört zu den schönsten Momenten des Spiels. Dabei entdecken wir immer wieder versteckte Truhen, Ruinen und Verliese, die Beute und neue Rezepte bereithalten. Dieser Kreislauf aus Sammeln, Bauen und Entdecken motiviert über viele Stunden.

Kämpfe und Klassen ohne starre Vorgaben
Im Kampf setzt Enshrouded auf Echtzeit-Action mit Ausweichrolle, Blocken und Fernangriffen. Jede Waffe fühlt sich anders an. Schwere Zweihänder schlagen langsam, aber wuchtig zu, Dolche erlauben schnelle Angriffsfolgen, und Bögen oder Zauberstäbe belohnen gutes Timing aus der Distanz. Eine Ausdauerleiste begrenzt Angriffe, Rollen und Blocks, sodass wir jede Aktion mit Bedacht einsetzen müssen. Wer wild drauflosprügelt, steht schnell ohne Luft da und kassiert Treffer. Dadurch entsteht ein Rhythmus aus Angreifen, Ausweichen und Abwarten, der sich nach kurzer Eingewöhnung sehr stimmig anfühlt.
Eine klassische Klassenwahl gibt es nicht. Stattdessen formen wir unseren Charakter über den Fähigkeitenbaum und Ausrüstung. Mit jedem Levelaufstieg erhalten wir Punkte, die wir in Werte und neue Fertigkeiten investieren. Wer gern mit dem Schwert vorneweg stürmt, baut sich zum Krieger aus. Magie oder Bogen eignen sich für alle, die lieber Abstand halten. Auch Mischformen sind möglich, etwa ein Kämpfer mit unterstützenden Zaubern. Das Wechseln der Spielweise bleibt jederzeit möglich, was zum Experimentieren einlädt und Fehlentscheidungen verzeiht.

Die Ausrüstung spielt dabei eine ebenso große Rolle wie die Fertigkeiten. Waffen und Rüstungen lassen sich verbessern, und höhere Stufen setzen passende Materialien voraus, die wir in gefährlicheren Regionen aufspüren müssen. Das schafft einen sinnvollen Kreislauf: Wir wagen uns in neue Gebiete, besorgen seltene Rohstoffe und gehen anschließend mit besserem Gerät in noch härtere Kämpfe. Auch das Gewicht des Inventars und die Wahl der Rüstungsart beeinflussen unsere Beweglichkeit. Leichte Gewänder erleichtern das Ausweichen, schwere Rüstungen halten mehr aus, bremsen aber spürbar. Der Fortschritt bleibt dadurch jederzeit greifbar.
Die Gegnervielfalt ist solide, die Bosskämpfe sind abwechslungsreich und fordern Aufmerksamkeit. Wir treffen auf verdorbene Kreaturen, die jeweils eigene Angriffsmuster mitbringen. Große Gegner verlangen präzises Ausweichen, Gruppen sollten wir geschickt aufteilen. Gelegentlich wirkt die Gegner-KI etwas simpel, gerade bei kleineren Feinden. Das stört im Alltag aber kaum, weil die Kämpfe vor allem von Positionierung und Ressourcenmanagement leben. Wer Heiltränke, Nahrung und Ausdauer klug einsetzt, meistert auch schwere Begegnungen. Im Koop ergänzen sich verschiedene Spielweisen besonders gut, etwa wenn eine Person Gegner bindet und andere aus der zweiten Reihe angreifen oder heilen.

Koop für bis zu 16 Spieler:innen
Allein macht Enshrouded bereits viel Spaß. Richtig stark wird es aber mit Freund:innen. Bis zu 16 Spieler:innen teilen sich einen Server und können gemeinsam bauen, farmen und Dungeons plündern. Die Aufgabenverteilung entwickelt sich dabei fast von selbst: Jemand kümmert sich um die Basis, andere ziehen los und sammeln Material. Wer lieber Erze abbaut, versorgt die Gruppe mit Rohstoffen, während Handwerksfreunde Waffen, Rüstungen und Tränke herstellen. Gerade für Gruppen, die ein gemütliches Aufbauspiel mit Kampfeinlagen suchen, ist das ein großer Pluspunkt.
Auch beim Fortschritt und bei der Erkundung zeigt sich der Koop von seiner besten Seite. Gemeinsam gelingen Bosskämpfe, an denen wir allein verzweifeln würden und das Erkunden gefährlicher Verliese wird zum echten Gruppenerlebnis. Die gemeinsame Basis wächst schneller, weil jede Person ihre Stärken einbringt. Außerdem entstehen Momente, die man allein kaum erlebt: ein gemeinsamer Gleitflug über das Tal, der Bau eines riesigen Bauwerks oder das gegenseitige Retten im letzten Moment. Wer will, hält den Server auch für gelegentliche Mitspieler:innen offen, sodass das Dorf in Ruhe weiterwachsen kann.

Grafik und Sound: Ein Lichtermeer zwischen Nebel und Ruinen
Optisch gehört Enshrouded zu den auffälligsten Survival-Spielen der letzten Jahre. Die Voxel-Welt wirkt dank moderner Beleuchtung erstaunlich organisch. Sonnenstrahlen brechen durch Baumkronen, Lichtquellen in dunklen Höhlen werfen weiche Schatten, und der Nebel liegt bedrohlich über ganzen Landstrichen. Besonders in der Dämmerung entstehen Bilder, die wir gern per Screenshot festgehalten haben.
Die Gestaltung der Biome überzeugt mit Abwechslung. Wir durchqueren sattgrüne Wälder, karge Gebirge und gespenstische Sumpflandschaften. Hinzu kommen Ruinen, Dörfer und Verliese, die kleine Geschichten erzählen. Kleine Schwächen zeigen sich bei Charaktermodellen und Gesichtsanimationen, die gegenüber der Umgebung etwas zurückfallen.
Beim Sound spielt Enshrouded in einer eigenen Liga. Der orchestrale Soundtrack ist atmosphärisch und hält sich in ruhigen Momenten angenehm zurück. Sobald der Nebel dichter wird oder ein Boss auftaucht, zieht die Musik spürbar an. Die Soundeffekte sitzen, vom Knacken der Äste bis zum Klirren der Waffen. Mit dem 3D-Audio der PS5 und einem guten Headset wird das Eintauchen noch intensiver.
Besonders erfreulich ist die deutsche Vertonung. Enshrouded bietet eine vollständige deutsche Sprachausgabe, die richtig gut gelungen ist. Die Sprecher:innen treffen den Ton der verfallenen Welt, verleihen den geretteten Überlebenden eigene Persönlichkeit und lassen auch kurze Dialoge lebendig wirken. Dadurch wird die eher schlichte Geschichte deutlich aufgewertet, und wir folgen den Gesprächen in der Basis gern. Wer das Spiel lieber im Original hören möchte, kann zusätzlich auf die englische Sprachausgabe wechseln. Untertitel stehen ebenfalls auf Deutsch zur Verfügung.

Technik und Steuerung auf PS5: DualSense statt Maus und Tastatur
Die große Frage bei einer Konsolenumsetzung lautet immer, ob sich das Spiel mit dem Controller wirklich gut anfühlt. Bei Enshrouded lautet unsere Antwort: ja, mit kleinen Einschränkungen. Die Steuerung ist logisch belegt, Kampf, Bewegung und Gleiter funktionieren intuitiv. Ausweichen, Blocken und Angreifen gehen nach kurzer Eingewöhnung flüssig von der Hand. Der Zielhilfe-Modus unterstützt uns zuverlässig bei Fernkampfwaffen.
Beim Bauen zeigt sich die größte Umstellung. Wer am PC mit der Maus auf den Block genau zielt, muss mit dem Analogstick etwas mehr Geduld aufbringen. Das Menü für Bauteile ist sinnvoll gestaltet, größere Projekte gehen aber mit dem Controller langsamer von der Hand. Hier hätten wir uns noch ein paar Komfortfunktionen gewünscht, etwa eine feinere Rasterung oder bessere Schnellwahl-Slots.
Der DualSense wird sinnvoll eingebunden. Die haptische Rückmeldung unterstreicht Treffer und Schritte auf unterschiedlichen Böden, die adaptiven Trigger sorgen beim Spannen des Bogens für spürbaren Widerstand. Das ist keine Revolution, trägt aber zur Immersion bei.
Technisch läuft Enshrouded auf der PS5 insgesamt stabil. Die Ladezeiten sind kurz. In sehr großen Basen oder bei vielen Gegnern auf einmal sinkt die Bildrate gelegentlich etwas, im Koop-Betrieb fällt das stärker auf. Auf der PS5 Pro profitieren wir von einer höheren Bildqualität und einem insgesamt ruhigeren Bild. Kleinere Bugs und gelegentliche Pop-ins gehören weiterhin dazu, tragen aber nicht den Charakter eines unfertigen Spiels. Die Menüs sind übersichtlich, das Inventar lässt sich per Controller gut bedienen.

Unser Fazit: Ein starker Survival-Hit, der auf der PS5 sein Zuhause gefunden hat
Enshrouded ist ein ausgesprochen rundes Gesamtpaket. Die Mischung aus Bauen, Erkunden und Kämpfen funktioniert hervorragend, die Optik beeindruckt und der Koop-Modus macht das Spiel zu einem echten Gemeinschaftserlebnis. Auf der PS5 steuert es sich dank gut durchdachter Belegung angenehm, auch wenn das Bausystem mit dem Controller etwas Übung braucht. Wer Valheim, Palworld oder klassische Action-Rollenspiele schätzt, bekommt hier eines der besten Survival-Abenteuer der aktuellen Generation.
Enshrouded vereint Aufbau, Action und Koop zu einem mitreißenden Survival-Abenteuer, das auf der PS5 begeistert.
- Beeindruckende Voxel-Welt mit nahezu grenzenlosen Baumöglichkeiten
- Gelungene Mischung aus Survival, Crafting und Action-Rollenspiel
- Flexibles Kampfsystem ohne feste Klassen
- Stimmungsvolle Grafik und hochwertige deutsche Sprachausgabe
- Atmosphärischer Soundtrack und hochwertige deutsche Sprachausgabe
- Durchdachte Controller-Steuerung
- Bauen mit dem Controller weniger präzise als am PC
- Bildrate sinkt gelegentlich in großen Basen
- Story bleibt eher Rahmenhandlung
- Vereinzelte Bugs und Pop-ins







