Mit Crimson Moon wagt sich das noch junge Studio ProbablyMonsters an ein waschechtes Soulslike mit Roguelike-Fundament, angesiedelt in einer gotischen Welt voller Dämonen, Untoter und Vampire. Wir haben uns als Nephilim, halb Mensch, halb Engel, auf der PS5 durch die gefallene Stadt Gildenarch gekämpft und verraten, ob sich der Kauf für 19,99 Euro lohnt.
Gameplay: Run für Run durch die Hölle
Die Grundidee von Crimson Moon ist schnell erklärt. Vor jedem Run wählen wir eine Mission auf der Weltkarte, stellen unsere Ausrüstung zusammen und wählen die Nephilim-Form, die uns im Kampf zur Verfügung steht. Danach geht es in drei prozedural zusammengestellte Zonen, die jeweils ein eigenes Ziel vorgeben: Gegnergruppen auslöschen, Eliten besiegen oder Artefakte einsammeln. Nach jeder Zone dürfen wir aus mehreren Upgrades wählen, bevor am Ende des Runs ein Bosskampf wartet. Zurück in der Kirche des Crimson Moon, unserem Hub, lassen sich Ausrüstung verbessern, Vorräte kaufen und neue Fähigkeiten freischalten.
Im Kampf selbst orientiert sich Crimson Moon spürbar an bekannten Soulslike-Größen. Leichte und schwere Angriffe, Ausweichrollen, Blocken und Parieren gehören zum festen Repertoire, dazu kommt ein Zielsystem, mit dem wir Gegner umkreisen können, um empfindliche Rückenangriffe zu setzen. Wer taumelnde Feinde mit einem finalen Treffer erledigt, wird mit brutalen, gut inszenierten Finishern belohnt, die selten ihren Reiz verlieren. Besonders angenehm: Ein Lebenssystem sorgt dafür, dass ein einzelner Tod nicht sofort den ganzen Run beendet, solange noch Leben übrig sind. Das nimmt dem Spiel etwas von der Härte klassischer Souls-Titel, ohne die Herausforderung komplett zu entschärfen.


Engelsmacht und Koop-Synergien
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal sind die göttlichen Verwandlungen. Sammeln wir im Kampf genug Energie an, können wir uns kurzzeitig in eine deutlich mächtigere Engelsform verwandeln, was gerade gegen größere Gegnergruppen ein echter Befreiungsschlag ist. Im optionalen Zweispieler-Koop lassen sich diese Fähigkeiten sogar kombinieren, wodurch spürbar stärkere Synergien entstehen als im Solospiel. Vor jedem Run lässt sich der Schwierigkeitsgrad zudem frei einstellen, sodass sich sowohl Einsteiger als auch erfahrene Soulslike-Spieler:innen ihr eigenes Tempo suchen können. Wer sich für höhere Stufen entscheidet, wird dafür mit besserer Beute belohnt.
So gut das Grundgerüst funktioniert, an zwei Stellen zeigt Crimson Moon Schwächen. Die Kamera macht uns im Test wiederholt Probleme, vor allem beim Anvisieren größerer Gegner, wo sie gelegentlich unruhig ausschlägt und den Überblick erschwert. Auch das Parieren fühlt sich im Vergleich zum restlichen, angenehm gewichtigen Kampfsystem etwas unpräzise an. Story-technisch bleibt Gildenarch außerdem eher blass. Die Handlung wird hauptsächlich über Sammelobjekte erzählt, unser Nephilim bleibt weitgehend ein stiller Protagonist, und die Nebenaufgaben wirken oft wie Vorwände, um uns erneut durch bereits bekannte Areale zu schicken.

Grafik und Sound: Gotische Pracht trifft auf Metal-Soundtrack
Optisch gehört Crimson Moon zu den überraschend hübschen Vertretern seines Preissegments. Der gotische Renaissance-Look kommt vor allem durch die Architektur Gildenarchs zur Geltung: aufragende, von roten Dornenranken überwucherte Kathedralen, verfallene Kirchtürme und Straßenzüge, die in dichtem, farbig durchleuchtetem Nebel liegen. Die Lichtstimmung wechselt je nach Areal zwischen unheilvollem Rot, kränklichem Grün und tiefem Schwarz und trägt maßgeblich zur bedrückenden Atmosphäre bei. Auch das Charakterdesign überzeugt uns, die Nephilim wirken erhaben und würdevoll, während die Dämonen, Untoten und Hellgrowth-Abominationen angemessen abstoßend gestaltet sind. Partikeleffekte bei Zaubern und Verwandlungen setzen zusätzliche visuelle Highlights.
Klanglich geht Crimson Moon einen ungewöhnlichen, aber sehr passenden Weg. Für die Bosskämpfe wurden eigens Metal-Titel komponiert, unter anderem von der Band HEALTH, Periphery-Gitarrist Misha Mansoor, Jared Dines und Ricky Armellino. Diese Tracks verleihen den Endgegnern eine Wucht, die dem restlichen, eher klassisch-orchestralen Soundtrack noch einmal eine ganz eigene Note hinzufügt. Waffenklirren, Explosionen und das Grollen der Dämonen runden das Klangbild stimmig ab, ohne dass die Musik dabei je aufdringlich wirkt.


Technik und Steuerung auf PS5
Crimson Moon ist als PS5 Pro Enhanced gekennzeichnet und läuft im Test auf beiden Konsolengenerationen angenehm flüssig. Größere Framerate-Einbrüche sind uns während unserer Testsessions nicht aufgefallen, was angesichts der teils hektischen Gegneransammlungen positiv überrascht. Die DualSense-Unterstützung ist vorbildlich umgesetzt, sowohl die adaptiven Trigger als auch die Vibration reagieren spürbar auf Waffentyp und Trefferart, was dem Nahkampf zusätzliches Gewicht verleiht.
Die Steuerung selbst folgt bewährten Soulslike-Mustern und geht dank der responsiven Eingaben gut von der Hand. Etwas schade ist, dass sich die Tastenbelegung auf der Konsole bislang nicht anpassen lässt, was insbesondere Spieler:innen mit individuellen Vorlieben einschränkt. Wer online zu zweit spielen möchte, benötigt zudem ein aktives PS Plus Abonnement, solo funktioniert das Spiel dagegen vollständig offline. Ladezeiten zwischen den Runs sind kurz genug, um den Spielfluss nicht zu stören, was gerade bei einem Run-basierten Titel wichtig ist.

Unser Fazit zu Crimson Moon
Crimson Moon ist kein Titel, der das Soulslike-Genre neu erfindet, und das muss es auch gar nicht. Für 19,99 Euro bekommen wir ein straffes, stylisches Actionspiel mit befriedigendem Kampfsystem, hübscher gotischer Kulisse und einem Metal-Soundtrack, der im Gedächtnis bleibt. Kamera und Story hätten noch etwas mehr Feinschliff vertragen können, doch angesichts des fairen Preises und des soliden Koop-Angebots bleibt unter dem Strich ein rundum empfehlenswertes Paket.
Crimson Moon verbindet ein forderndes Soulslike-Kampfsystem mit roguelite-artigen Runs und einem tiefen Loot-System zu einem stylischen Gesamtpaket, das nur an Kamera und Story etwas hakt.
- Befriedigendes, gewichtiges Kampfsystem mit brutalen Finishern
- Beeindruckende gotische Optik und stimmungsvolle Beleuchtung
- Mitreißender Metal-Soundtrack für die Bosskämpfe
- Starke Engelsverwandlungen mit echten Koop-Synergien
- Fairer Einstiegspreis für den gebotenen Umfang
- Unruhige Kamera bei größeren Gegnern und Bossen
- Parieren fühlt sich weniger präzise an als der Rest des Kampfsystems
- Dünne Story und wenig Persönlichkeit bei Nebenfiguren
- Nebenaufgaben wirken oft repetitiv
- Keine anpassbare Tastenbelegung auf der PS5







