Woodo im Test: Ein handgeschnitztes Sommermärchen für die PS5

Woodo

Manchmal braucht es kein episches Fantasy-Epos und keine wilde Verfolgungsjagd, um uns für ein paar Stunden zu fesseln. Im Woodo Test zeigt sich genau das: Daedalic Entertainment und Entwickler Tiny Monks Tales schicken uns mit der schüchternen Foxy in einen ruhigen Sommer auf dem Land, in dem wir Diorama für Diorama zusammensetzen und dabei kleine, handgeschnitzte Welten zum Leben erwecken. Wir haben Woodo zum Launch am 16. September auf der PS5 gespielt und verraten euch, ob sich das entspannte Puzzle-Erlebnis lohnt.

Gameplay: Dioramen voller Geheimnisse

Foxy ist eine zurückhaltende Stadtbewohnerin, die ihre Sommerferien widerwillig in einem beschaulichen Dorf verbringt, den Skizzenblock und ihr Tablet im Gepäck. Schon nach kurzer Zeit lernt sie den Frosch Ben kennen, der ihr die Umgebung zeigt und sie Stück für Stück aus ihrer Komfortzone lockt. Die Geschichte entfaltet sich über mehrere Tage hinweg und wird von einer sympathischen Riege an Nebenfiguren begleitet, darunter eine Gänsefamilie samt Gössel-Nachwuchs sowie eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen einer Maus und einer Spinne.

Im Kern ist Woodo ein Wimmelbild-Spiel, allerdings eines mit spürbar mehr Anspruch und Kreativität als die meisten Vertreter des Genres. Jede Szene ist ein interaktives, animiertes Diorama, das wir mit Objekten aus einer seitlichen Leiste füllen. Sobald ein Teil am richtigen Platz sitzt, färbt sich die Szene ein Stück weiter ein, kleine Animationen setzen ein und gelegentlich versteckt sich ein Insider-Scherz im Detail. Statt stumpfes Objekte-Sammeln zu betreiben, verschachtelt Woodo seine Rätsel geschickt: Manche Dioramen enthalten weitere Mini-Dioramen, Schränke und Kühlschränke lassen sich öffnen, und wichtige Gegenstände wie Schlüssel müssen erst gesucht werden. In einer Szene bekommen wir nur ein Objekt gleichzeitig gereicht, in einer anderen schweben Teile frei im Raum und wollen aus der Luft gegriffen werden.

Mit fortschreitendem Spielverlauf wachsen die Dioramen spürbar in Umfang und Komplexität. Der vorletzte Abschnitt, eine mehrstöckige Windmühle mit begehbaren Innenräumen, markiert dabei den bisherigen Höhepunkt in Sachen Verschachtelung. Wer bei kniffligen Passagen nicht weiterkommt, kann jederzeit einen Hinweis einblenden lassen, dessen Abklingzeit angenehm kurz ausfällt. Zusätzlich lässt sich die Objekt-Magnetwirkung erhöhen, sodass Teile schon aus größerer Entfernung in ihre Zielposition gezogen werden. Insgesamt dauert eine einzelne Szene etwa 15-30 Minuten, wobei sich einzelne Abschnitte je nach Geschicklichkeit auch deutlich kürzer oder länger anfühlen können. Die gesamte Geschichte lässt sich in rund fünf bis sechs Stunden durchspielen, was für ein Spiel dieser Machart ein stimmiges Pensum ist.

Woodo Screenshot 01
Woodo Screenshot 02

Motivation durch kleine Belohnungen

Nach Abschluss eines Dioramas wartet stets eine kleine Fotogelegenheit auf uns, die als eine Art Belohnung dient und an mehrere Trophäen gekoppelt ist. Abgeschlossene Rätsel schalten zudem illustrierte Bilderbuchseiten frei, während die Übersichtskarte mit der Zeit selbst zum Leben erwacht: Figuren laufen dort umher, dösen in der Sonne oder treiben Unfug. Diese kleinen Details geben dem Spiel eine angenehme Beständigkeit und motivieren dazu, auch die letzten versteckten Ecken der Dioramen zu erkunden.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt allerdings: Auf Dauer eignet sich Woodo nicht sonderlich gut für lange Spielsessions am Stück. Die bissengroßen Herausforderungen sind klar auf kurze, entspannte Häppchen ausgelegt, und gegen Ende schleicht sich bei uns leichte Ermüdung ein, wenn einzelne Bodenfliesen, Blätter oder andere Kleinteile gesucht werden müssen, die selbst mit maximal herangezoomter Kamera im Hintergrund verschwinden.

Woodo Screenshot 03

Grafik und Sound: Handgeschnitzte Welt zum Verlieben

Optisch punktet Woodo mit einer warmen, hölzernen Ästhetik, die dem Titel seinen Namen alle Ehre macht. Jedes Objekt und jeder Charakter wirkt, als wäre er tatsächlich von Hand geschnitzt worden, inklusive feiner Maserung und liebevoller Details. Fast alles im Bild lässt sich animieren: Bewegen wir den Cursor über die Szene, springen Figuren ins Leben, Alltagsgegenstände wackeln oder kippen um, und gelegentlich offenbart sich dabei ein kleines Geheimnis. Besonders die Wasserphysik und die subtilen Lichteffekte im Hintergrund unterstreichen den insgesamt sehr polierten Gesamteindruck.

Musikalisch setzt Woodo auf sanfte, tranquile Klänge, die perfekt zur gemächlichen Grundstimmung passen und nie aufdringlich wirken. Bei der Sprachausgabe gibt es eine echte Überraschung: Woodo erscheint mit vollständiger deutscher Synchronisation, was bei einem Titel dieser Größenordnung keine Selbstverständlichkeit ist und uns positiv überrascht hat. Die deutschen Stimmen treffen den niedlichen, leicht kindlichen Ton der Charaktere gut und bleiben dabei angenehm dezent, ohne zu nerven. Wer ein audiovisuelles Wohlfühlerlebnis sucht, wird hier bestens bedient, auch wenn Woodo grafisch naturgemäß keine technischen Grenzen austestet, sondern vielmehr auf Charme und Stimmung setzt.

Woodo Screenshot 04
Woodo Screenshot 05

Technik und Steuerung auf PS5

Auf der PS5 läuft Woodo durchweg stabil und ohne spürbare Ladezeiten zwischen den einzelnen Dioramen, was dem entspannten Spielfluss zugutekommt. Die Steuerung mit dem DualSense-Controller fühlt sich intuitiv an: Objekte werden per Analogstick oder Bewegungssteuerung anvisiert und mit einem Tastendruck gegriffen, während die Vibrationsfunktion des Controllers spürbares Feedback liefert, sobald ein Teil korrekt einrastet oder eine Animation ausgelöst wird. Das haptische Feedback ist dabei fein dosiert und trägt spürbar zur Atmosphäre bei, ohne aufdringlich zu wirken.

Für ein Spiel dieser Art ist die Bedienung erfreulich zugänglich gestaltet. Die Kamera lässt sich frei drehen und zoomen, was bei den verschachtelten Dioramen später im Spiel durchaus notwendig wird, auch wenn wir uns bei den kleinsten Objekten mitunter noch etwas mehr Zoom-Spielraum gewünscht hätten. Wer lieber mit dem Controller als mit der Maus puzzelt, wird auf der PS5 keine Abstriche in Sachen Präzision hinnehmen müssen. Woodo ist im PlayStation Store als Standard Edition sowie als Deluxe Edition mit Supporter Pack und Soundtrack Pack erhältlich.

Woodo Screenshot 06

Unser Fazit zu Woodo

Woodo ist ein liebevoll gestaltetes 3D-Diorama-Puzzle-Erlebnis, das durch seine handgeschnitzte Optik, die charmanten Animationen und die entspannte Grundstimmung überzeugt. Statt auf reine Objektsuche zu setzen, verpackt Daedalic Entertainment das Puzzle-Genre in verschachtelte, lebendige Dioramen und schafft damit spürbar mehr Tiefe als die meisten Vertreter dieser Kategorie. Auf der PS5 läuft der Titel technisch einwandfrei, und die feine Vibration des DualSense-Controllers unterstreicht das ruhige Spielgefühl zusätzlich. Wer lange, storylastige Sessions erwartet, sollte die Erwartungen etwas herunterschrauben, denn Woodo entfaltet seinen Charme am besten in kurzen, entspannten Etappen.

8.8
Gesamtwertung
Woodo im Test: Ein handgeschnitztes Sommermärchen für die PS5

Woodo verpackt entspanntes 3D-Diorama-Puzzle-Gameplay in liebevoll animierte Holzszenen und überzeugt auf der PS5 mit Charme, feinem Feedback und stabiler Technik.

Gameplay 8.5
Grafik 9.0
Sound 9.0
Steuerung 8.5
Vorteile
  • Wunderschöne, handgeschnitzte Optik mit liebevollen Details
  • Kreative, abwechslungsreiche Diorama-Mechaniken statt stumpfer Objektsuche
  • Angenehmes haptisches Feedback über den DualSense-Controller
  • Stabile Technik ohne spürbare Ladezeiten auf der PS5
  • Entspannende Musik und dezente Sprachausgabe
Nachteile
  • Nicht ideal für lange Spielsessions am Stück
  • Gegen Ende schleicht sich bei der Objektsuche etwas Ermüdung ein
  • Kamera-Zoom bei winzigen Teilen manchmal an der Grenze

Jetzt kommentieren

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x