Es gibt Spielkonzepte, die auf dem Papier so absurd klingen, dass man sich fragt, wie jemand überhaupt auf die Idee gekommen ist. Ein Zug als Skateboard, das durch ein postapokalyptisches Japan grindet, springt und Tricks fährt: Genau das ist die Prämisse von Denshattack!, dem neuen Titel von Entwickler Undercoders. Wir haben uns für unseren Test auf die Schienen begeben und wollten wissen, ob aus dieser verrückten Idee tatsächlich ein rundes Spielerlebnis geworden ist.
Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft, in der der Klimawandel die Welt fest im Griff hat. Die Menschheit hat sich in gigantische Kuppelstädte zurückgezogen, kontrolliert vom übermächtigen Miraidō Konzern. Draußen, in den verlassenen Weiten des japanischen Schienennetzes, hat sich derweil eine Gemeinschaft aus Außenseitern gebildet, die langsam aber sicher eine neue Existenz aufbaut. Wir schlüpfen in die Rolle von Emi, einer ehemaligen Ramen Lieferantin, die sich dem Untergrundnetzwerk Denshattack anschließt und fortan im Kampf gegen die Miraidō Korporation um die Kontrolle über die Schienen kämpft. Die Geschichte selbst bleibt dabei angenehm unaufdringlich und dient in erster Linie als charmante Kulisse für das, worum es in Denshattack! wirklich geht: das Gameplay.
Gameplay: Vom holprigen Start zum vollen Flow
Die Grundidee ist schnell erklärt: Wir steuern einen Zug, der sich wie ein Skateboard über Schienen bewegt, an Rails grindet, von Gleis zu Gleis springt und dabei allerlei Tricks aneinanderreiht. Was zunächst nach einer Neuauflage klassischer Arcade Skater Spiele klingt, entwickelt im Laufe der rund zehn bis zwölf Stunden dauernden Kampagne einen ganz eigenen Rhythmus. Ehrlich gesagt haben wir in den ersten Levels erst einmal etwas gebraucht, um in diesen Rhythmus hineinzufinden. Das Timing für Sprünge, Grinds und Trickkombinationen will geübt sein, und wer die ersten Runs mit wackeligen Landungen und verpassten Anschlüssen verbringt, sollte nicht gleich aufgeben. Sobald der Groschen fällt und man ein Gefühl für das Tempo entwickelt hat, kippt das Spiel spürbar in einen echten Flow-Zustand, und genau dieser Moment macht enorm viel Spaß.
Besonders positiv ist uns aufgefallen, wie viele Überraschungen in jedem einzelnen Level stecken. Kaum ein Abschnitt läuft nach demselben Schema ab: Immer wieder tauchen unerwartete Streckenelemente, kleine Umgebungsgags oder überraschende Abkürzungen auf, die uns während des Spielens regelmäßig zum Schmunzeln gebracht haben. Neben klassischen Grinds und Sprüngen können wir mit der Hupe unseres Zuges aktiv in die Umgebung eingreifen, etwa um Hindernisse aus dem Weg zu räumen oder versteckte Bereiche freizulegen.

Diese Mechanik lernen wir bereits früh kennen und verleiht den Levels von Anfang an eine zusätzliche Ebene, die wir in dieser Form so noch nicht gesehen haben. Im weiteren Verlauf kommt mit dem Fahren an Wänden ein Bewegungselement hinzu, das uns besonders positiv aufgefallen ist. Statt nur auf Schienen und Rails beschränkt zu sein, können wir unseren Zug an geeigneten Wandflächen entlangfahren, um so Höhe zu gewinnen, Abkürzungen zu finden oder eine neue Anschlussstelle für den nächsten Grind zu erreichen.
Diese Mechanik fügt sich erstaunlich natürlich in den restlichen Bewegungsfluss ein und eröffnet gerade in den späteren, vertikaler aufgebauten Levels ganz neue Linien durch die Strecke. Wer es schafft, Wandfahrten geschickt mit Sprüngen und Grinds zu verketten, wird mit einigen der stylischsten und befriedigendsten Momente des gesamten Spiels belohnt. Die einzelnen Stationen führen uns dabei kreuz und quer durch Japan, von den südlichen Inseln bis in den verschneiten Norden, und jede Region bringt eigene Herausforderungen sowie neue Gegnerbanden mit sich, die uns dazu zwingen, all diese Mechaniken geschickt miteinander zu kombinieren.

Die Bosskämpfe gehören für uns zu den absoluten Highlights des Spiels. Statt auf klassische Duelle zu setzen, verwandeln sich diese Momente in halsbrecherische Verfolgungsjagden und Geschicklichkeitsproben, die das Kernkonzept des Spiels noch einmal auf die Spitze treiben. Etwas Kritik müssen wir uns dennoch erlauben: Gegen Ende der Kampagne verliert das Leveldesign spürbar an Frische, und wir hätten uns hier und da eine deutlichere Belohnung für unseren Fortschritt gewünscht. Das schmälert den Gesamteindruck jedoch nur geringfügig, denn der Weg dorthin macht durchweg Laune.
Grafik und Sound: Ein audiovisuelles Fest im Dreamcast-Gewand
Optisch positioniert sich Denshattack! klar in der Tradition von Titeln wie Jet Set Radio und bringt dabei einen frischen, eigenständigen Look mit. Der Cel Shading Stil mit seinen kräftigen Farben und dicken schwarzen Konturlinien erinnert an das Dreamcast Zeitalter, wirkt dabei aber keineswegs verstaubt, sondern erfrischend zeitlos. Auch die gesamte Aufmachung des Spiels hat uns rundum überzeugt, von den Menüs über die Zwischensequenzen bis hin zur Präsentation der einzelnen Regionen wirkt alles wie aus einem Guss und mit sichtlicher Liebe zum Detail gestaltet.

Die Charaktermodelle sind liebevoll gestaltet und transportieren viel Persönlichkeit, sowohl in den Zwischensequenzen als auch während der Fahrt selbst. Die verschiedenen Fraktionen und Banden, denen wir im Laufe des Abenteuers begegnen, unterscheiden sich optisch stark voneinander und sorgen so für Abwechslung in den insgesamt sehr bunten und detailreichen Umgebungen.
Klanglich liefert Denshattack! ebenfalls ab. Der Soundtrack hat uns während unserer Zeit mit dem Spiel durchweg begleitet und begeistert, treibende Beats, die perfekt zum Tempo passen und uns während der Fahrt zusätzlich anspornen. Die Soundkulisse, vom Quietschen der Schienen bis zum satten Klang der Hupe, unterstreicht das ohnehin schon starke Gefühl von Geschwindigkeit und Kontrolle zusätzlich. Insgesamt gehört der Sound für uns zu den stärksten Aspekten des gesamten Pakets.

Technik und Steuerung auf der PS5: Präzise, mit kleinen Ecken und Kanten
Auf technischer Seite präsentiert sich Denshattack! auf der PS5 größtenteils rund. Während unseres Tests sind uns keine gravierenden Bugs oder Abstürze begegnet, auch die Ladezeiten zwischen den Levels halten sich in einem angenehmen Rahmen. Die Steuerung geht insgesamt gut von der Hand und reagiert präzise auf unsere Eingaben, was bei einem Spiel, das so sehr auf Timing und schnelle Reflexe setzt, absolut entscheidend ist.
Kleinere Abstriche müssen wir dennoch machen: Manche der komplexeren Trickkombinationen fühlen sich anfangs etwas unhandlich an, und die Kamera gerät in besonders engen oder verwinkelten Passagen gelegentlich ins Straucheln. Wer sich jedoch, wie eingangs beschrieben, die nötige Zeit nimmt, sich mit dem Bewegungssystem vertraut zu machen, wird mit einem angenehm tiefen und belohnenden Steuerungsgefühl entschädigt. Ein individuelles Anpassen der Steuerung sowie umfangreichere Anpassungsoptionen für Zug und Charakter hätten wir uns an der ein oder anderen Stelle dennoch gewünscht, hier ist noch Luft nach oben.

Unser Fazit zu Denshattack! auf PS5 – Ein schräger Underdog, der voll einfährt
Denshattack! ist genau die Art von Spiel, die wir uns in einem Jahr voller Remakes und Fortsetzungen wünschen: originell, mutig und mit einer klaren eigenen Identität. Die Grundidee eines Zuges als Skateboard klingt zunächst wie ein Scherz, entpuppt sich im Spiel aber als überraschend tiefgründiges und stimmiges Konzept. Ja, man braucht anfangs etwas Übung, um wirklich in den Flow zu finden, doch sobald das gelingt, wird man mit einem der unterhaltsamsten Arcade Erlebnisse der letzten Zeit belohnt.
Mit seinem markanten Grafikstil, dem mitreißenden Soundtrack und einer Steuerung, die anfängliche Startschwierigkeiten mit wachsender Belohnung ausgleicht, hat uns Denshattack! über die gesamte Spielzeit hinweg bestens unterhalten. Kleinere Schwächen im späteren Leveldesign und bei der Kameraführung trüben den positiven Gesamteindruck nur minimal.
Für alle, die Lust auf ein frisches Arcade Erlebnis mit viel Stil und Herz haben, ist Denshattack! eine klare Empfehlung.
Denshattack! verbindet eine schräge Grundidee mit süchtig machendem Gameplay, starkem Look und mitreißendem Sound. Nach kurzer Eingewöhnung ein echtes Highlight.
- Frisches, einzigartiges Spielkonzept
- Tiefgründiges Trick- und Bewegungssystem
- Jedes Level steckt voller überraschender Highlights
- Markanter Cel-Shading-Look und starke Aufmachung
- Mitreißender Soundtrack
- Kreative und abwechslungsreiche Bosskämpfe
- Braucht anfangs etwas Übung, um in den Flow zu finden
- Leveldesign lässt gegen Ende etwas nach
- Kamera in engen Passagen gelegentlich unübersichtlich
- Wenig Anpassungsoptionen für Steuerung und Zug







