DragonSword: Awakening im Test – Ein Diamant im Gacha-Gewand

DragonSword: Awakening

Vom Gacha-Projekt zum fairen Vollpreistitel

DragonSword: Awakening von Entwickler Hound13 hat eine bewegte Entstehungsgeschichte. Ursprünglich als klassisches Mobile-Gacha-Spiel geplant, entschied sich das Studio während der Entwicklung für einen mutigen Kurswechsel. Statt Lootboxen und Zufallsziehungen gibt es nun ein waschechtes Buy-to-Play-Modell, bei dem sämtliche 19 Helden allein durch Spielfortschritt freigeschaltet werden können. Wer mit Genshin Impact geliebäugelt hat, aber von Mikrotransaktionen genervt war, dürfte hier hellhörig werden. Wir haben uns das Action-RPG rund um den jungen Lute und seine Reise durch den Kontinent Orbis genauer angeschaut und erklären, ob sich der Einstieg lohnt.

Gameplay: Tag-Action-Kämpfe mit 19 Helden und offener Welt

Im Zentrum von DragonSword: Awakening steht ein sogenanntes Tag-Action-System. Während des Kampfes wechselt man frei zwischen mehreren Helden aus dem eigenen Team, um Status Ailments auf Gegnern aufzubauen und anschließend mit sogenannten Signal Skills zu triggern. Das klingt komplex, fühlt sich im Kampf aber erstaunlich flüssig und intuitiv an. Die Kombination aus schnellen Charakterwechseln, satten Ausweichmanövern und wuchtigen Finishern erzeugt einen angenehmen Kampfrhythmus, der auch nach mehreren Stunden nicht ermüdet.

Mit 19 spielbaren Helden bietet das Spiel eine solide Basis für Team-Experimente. Manche Charaktere sind auf reinen Schaden ausgelegt, andere spezialisieren sich auf Status-Effekte, Fernkampf oder defensive Unterstützung. Wer clever kombiniert, kann echte Synergien freilegen und lange Combo-Ketten aufbauen. Zusätzlich gibt es Familiars, sammelbare Begleitkreaturen, die während der Erkundung zur Seite stehen und dem Spiel eine persönliche Note verleihen.

DragonSword Awakening Screenshot 01

Die offene Welt von Orbis ist dicht gestaltet, wenn auch die Erkundung streckenweise etwas repetitiv ausfällt. Nebenaufgaben, Fraktionskonflikte und die Geschichten der Begleitfiguren sorgen aber dafür, dass man immer wieder neue Ecken der Karte entdecken möchte. Die Hauptgeschichte um Lute, den Söldner Johnny und die Elfe Castella ist unterhaltsam erzählt, leidet aber unter einem eher gemächlichen Einstieg und gelegentlichen Tempoproblemen. Wer sich durch die ersten Stunden kämpft, wird mit einer bunten Charakterbesetzung und größeren, dramatischen Story-Momenten belohnt.

Etwas kritischer sehen wir die spürbaren Gacha-Wurzeln im Fortschrittssystem. Auch ohne echte Zufallsmechanik fühlt sich das Leveln von Ausrüstung und Fähigkeiten an manchen Stellen zäh und repetitiv an, was dem sonst so knackigen Kampfsystem etwas die Leichtigkeit nimmt. Für kooperatives Spielen stehen zudem Hunts für bis zu zwei Spieler und Raids für bis zu drei Spieler bereit, die über eine Host-Struktur organisiert werden.

DragonSword Awakening Screenshot 02

Grafik und Sound: Anime-Optik trifft auf Unreal Engine 5

Optisch ist DragonSword: Awakening ganz klar die stärkste Seite des Spiels. Auf Basis der Unreal Engine 5 präsentiert sich die Welt von Orbis in warmen, kräftigen Farben mit einem klar erkennbaren Anime-Look. Die Charaktermodelle sind detailliert gestaltet, die Animationen wirken lebendig und die Kampfeffekte sorgen für spektakuläre visuelle Momente. Kleinere Schwächen wie eine etwas überladene Benutzeroberfläche und gelegentliches Clipping trüben den Gesamteindruck nur minimal.

Beim Sound punktet das Spiel mit einer stimmungsvollen Musikuntermalung, die die verschiedenen Regionen von Orbis atmosphärisch untermalt. Wer auf englische Synchronisation hofft, muss allerdings umdenken. DragonSword: Awakening erscheint aktuell nur mit koreanischer Sprachausgabe, während Untertitel in zahlreichen Sprachen, darunter auch Deutsch, zur Verfügung stehen. Wer die Sprachausgabe nicht mag, kann sie in den Audioeinstellungen komplett deaktivieren. Für Fans japanischer und koreanischer Anime-Ästhetik dürfte das kein Problem darstellen, für andere Spielerinnen und Spieler ist es zumindest erwähnenswert.

DragonSword Awakening Screenshot 03

Technik und Steuerung auf dem PC: Solide Performance mit SSD-Pflicht

Auf dem PC läuft DragonSword: Awakening solide, sofern die Hardware auf dem aktuellen Stand ist. Die Unreal Engine 5 verlangt spürbar nach moderner Ausstattung, und eine SSD ist praktisch Pflicht. Wer das Spiel noch von einer klassischen HDD startet, muss mit deutlichen Rucklern und langen Ladezeiten rechnen.

Die Steuerung mit Maus und Tastatur funktioniert grundsätzlich gut, richtig zu Hause fühlt sich das Kampfsystem aber mit einem Controller an. Die schnellen Charakterwechsel und Ausweichmanöver lassen sich mit Gamepad einfach flüssiger timen. Technische Probleme wie Abstürze oder Anti-Cheat-Ärger gab es in unserem Test nicht, das Spiel startet zuverlässig und läuft im Großen und Ganzen stabil, auch wenn in dicht bevölkerten Städten und größeren Gefechten die Framerate etwas nachlassen kann.

DragonSword Awakening Screenshot 04

Steuerung und Performance auf dem Steam Deck: Überraschend gute Handheld-Optimierung

Besonders spannend ist die Frage, wie sich ein aufwendiges Unreal-Engine-5-Open-World-Spiel auf Valves Handheld schlägt. Die Antwort überrascht positiv. DragonSword: Awakening trägt zwar noch kein offizielles „Verified“-Siegel, läuft aber bereits ohne spezielle Proton-Einstellungen direkt aus der Box heraus. Die Standardversion von Proton reicht für einen stabilen Start völlig aus.

Bei den Grafikeinstellungen zeigt sich schnell, welcher Regler den größten Einfluss hat. Nicht die Sichtweite, sondern die Effektqualität ist der eigentliche Framerate-Killer. Elementarexplosionen, Waffeneffekte und große Bossfähigkeiten belasten die Hardware des Steam Deck spürbar. Wer die Effekte auf Niedrig stellt, verliert kaum sichtbare Qualität in Bewegung, gewinnt aber deutlich an Stabilität. In Kombination mit einer auf Hohe Qualität eingestellten TSR- oder FSR-Skalierung lässt sich so eine solide 30-FPS-Erfahrung erzielen, auch in dichten Kampfszenen mit vielen Gegnern.

DragonSword Awakening Screenshot SD 01

Wer mehr Leistung herausholen möchte, kann auf niedrigen Einstellungen Bildraten zwischen 70 und 90 Bildern pro Sekunde erreichen, im mittleren Preset pendelt sich das Spiel bei 40 bis 60 Bildern pro Sekunde ein. Wer zusätzlich Lossless Scaling nutzt und einzelne Regler weiter senkt, kommt sogar in die Nähe von 90 flüssigen Bildern pro Sekunde. Die Akkulaufzeit bewegt sich bei niedrigen Einstellungen bei rund zweieinhalb Stunden, wer ein festes TDP-Limit setzt und die Framerate deckelt, kann etwas mehr Laufzeit herauskitzeln. Größere Städte und umfangreiche Gefechte bleiben die anspruchsvollsten Szenarien, während die offene Welt abseits davon angenehm konstant läuft.

Insgesamt zeigt sich DragonSword: Awakening auf dem Steam Deck als echte Überraschung. Für ein derart aufwendiges Open-World-Spiel auf Basis der Unreal Engine 5 ist die Optimierung bemerkenswert gelungen und macht das Spiel zu einem angenehmen Begleiter für unterwegs.

DragonSword Awakening Screenshot SD 02

Unser Fazit: Ein starkes Action-RPG ohne Gacha-Fallstricke

DragonSword: Awakening beweist eindrucksvoll, dass sich eine ursprünglich als Gacha-Titel geplante Produktion in ein rundes, faires Einzelspielererlebnis verwandeln lässt. Das Tag-Action-Kampfsystem macht großen Spaß, die visuelle Präsentation gehört zum Besten, was aktuell im Genre zu finden ist, und die Möglichkeit, alle 19 Helden ohne Echtgeld freizuschalten, ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz.

Kleinere Abstriche gibt es bei der teils repetitiven Erkundung, dem eher gemächlichen Einstieg in die Geschichte und dem spürbaren Gacha-Erbe im Progressionssystem. Wer damit leben kann, bekommt für einen fairen Preis ein optisch beeindruckendes, spielerisch tiefes Action-RPG, das sowohl auf dem heimischen PC als auch unterwegs auf dem Steam Deck eine erfreulich stabile Figur macht.

8.5
Gesamtwertung
DragonSword: Awakening im Test – Ein Diamant im Gacha-Gewand

DragonSword: Awakening ist eine klare Empfehlung für alle, die Genshin Impact mögen, aber genug von Mikrotransaktionen haben. Wer offen für koreanische Sprachausgabe und ein etwas ruhiges erstes Kapitel ist, findet hier eines der spannendsten Action-RPGs des Jahres.

Gameplay 8.5
Grafik 8.5
Sound 8.0
Steuerung 8.5
Vorteile
  • Mitreißendes Tag-Action-Kampfsystem mit hoher taktischer Tiefe
  • 19 spielbare Helden, alle ohne Echtgeld freischaltbar
  • Beeindruckende Grafik dank Unreal Engine 5 und stimmiger Anime-Optik
  • Dichte, abwechslungsreiche offene Welt mit vielen Nebenaufgaben
  • Überraschend gute Performance und Optimierung auf dem Steam Deck
  • Stabiler technischer Zustand
  • Kooperative Inhalte für bis zu drei Spieler
Nachteile
  • Fortschrittssystem fühlt sich durch Gacha-Erbe teils repetitiv an
  • Gemächlicher, etwas zäher Einstieg in die Hauptgeschichte
  • Nur koreanische Sprachausgabe, keine englische Synchronisation
  • Teils überladene Menüs
  • Leichte Framerate-Einbrüche in großen Städten und dichten Gefechten

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