Songs of Glimmerwick im Test (PC): Magie, Melodien und Gartenarbeit

Songs of Glimmerwick

Eine Zauberakademie, in der Magie nicht mit dem Zauberstab, sondern mit der Flöte gewirkt wird: Songs of Glimmerwick von Eastshade Studios ist nach rund acht Jahren Entwicklungszeit für den PC auf Steam erschienen. Das Team hinter dem Kunstadventure Eastshade schickt uns diesmal in ein isometrisches Story-RPG, das Schulalltag, Gartenarbeit und Lebenssimulation mit einem ungewöhnlichen Musiksystem verbindet. Wir haben uns eingeschrieben und verraten in unserem Test, ob der Unterricht Spaß macht oder ob wir lieber schwänzen würden.

Wenn Hausaufgaben nach Musik klingen

Wir erstellen unsere eigene Hexe oder unseren eigenen Zauberer und werden ohne große Vorwarnung an die Etchery geschickt, eine Akademie für Magie und Melodie auf einer märchenhaften Inselgruppe. Schon beim Flötenbauer zeigt sich der Charme des Spiels: Ein paar Fragen genügen, und wir bekommen ein Instrument, das ganz uns gehört. Auf das Spiel hat es keinen Einfluss, aber es fühlt sich trotzdem besonders an.

Magie entsteht hier ausschließlich durch Musik. Im Unterricht lernen wir kleine Lieder, die Pflanzen wachsen lassen, Regen herbeirufen oder Wege öffnen. Wir spielen sie auf der Tastatur im Stil eines Rhythmusspiels nach. Sitzt eine Melodie, landet der Zauber auf der Schnellleiste und lässt sich ohne Vorspielen wirken. Die Stücke fordern genug, um sich als Fortschritt anzufühlen, bleiben aber freundlich. Wer lieber ohne Publikum übt, nutzt den Übungsraum, in dem die Zeit stehen bleibt.

Songs of Glimmerwick Screenshot 01

Überhaupt gehört die Zeit zu den besten Ideen des Spiels. Bei Terminen und Festen pausiert die Uhr, wir müssen also nie panisch zum Unterricht rennen oder abends vor Erschöpfung ins Bett fallen. Auch nach Sonnenuntergang bleibt Luft zum Stöbern und Sammeln. Das nimmt dem Alltag jeden Anflug von Arbeit und passt perfekt zur Idee eines Cozy-Spiels.

Der Stundenplan selbst ist dabei erstaunlich abwechslungsreich. Mal stehen Zaubertränke auf dem Programm, mal Kräuterkunde oder Musik, und zwischendurch gibt es kleine animierte Szenen, die eine Unterrichtsstunde plötzlich wie einen Kurzfilm wirken lassen. Das Besondere: Wir lernen hier tatsächlich etwas. Wer fleißig übt, schaltet neue Möglichkeiten frei, und genau dieses Gefühl, sich Stück für Stück zu verbessern, hält uns bei der Stange. Dazu kommt ein Wohnheimzimmer mit eigenwilliger Mitbewohnerschaft und ein Gemeinschaftsraum voller Katzen, in dem man sich schnell zu Hause fühlt.

Songs of Glimmerwick Screenshot 02

Ein Dorf, das Geschichten hat

Neben dem Unterricht gibt es viel zu entdecken: Wir pflegen den Universitätsgarten, brauen Tränke, lernen Mitstudierende kennen, besuchen das Dorf Wisk und kommen langsam hinter die Geheimnisse einer Insel, die von einem Fluch namens die Stille gezeichnet wurde. Die Bewohner:innen sind ein bunter Haufen aus Menschen, Feenvolk, Meerwesen und Geistern. Ihre Unterschiede werden selbstverständlich erzählt, nie als Problem herausgestellt, und genau das macht sie glaubwürdig. In Gesprächen dürfen wir freundlich, ehrlich oder auch mal unehrlich sein, und neue Gesprächsthemen helfen uns bei Aufgaben weiter.

Songs of Glimmerwick Screenshot 03

Wo der Stundenplan wackelt

Ganz ohne Nachsitzen kommt das Spiel nicht aus. Wir laufen viel und eine bequeme Schnellreise fehlt weitgehend. Es gibt ein paar Abkürzungen, und später lässt sich das Tempo erhöhen, aber den Weg zwischen Schule und Dorf legen wir trotzdem oft zurück. Das Inventar ist früh knapp und manche Aufgaben bleiben lange offen, weil uns noch die passende Melodie fehlt. Auch der Anfang ist gemächlich, denn zuerst lernen wir nur wenige Lieder, die vor allem dem Gärtnern dienen. Wer Geduld hat, wird mit mehr Vielfalt belohnt. Schön wären außerdem tiefere Freundschaften gewesen, denn so richtig nah kommen wir nur wenigen Figuren.

Wer abends noch Lust auf Gesellschaft hat, findet sie im Dorfpub: Dort laufen nicht nur Konzerte, manche Mitstudierende laden auch zu einer Kartenrunde ein. Solche kleinen Nebenwege sind der eigentliche Reiz, denn sie machen aus der Insel mehr als eine Kulisse für Aufgaben. Wir dürfen angeln, nach Muscheln tauchen oder mit den Grünen Sprites in den Wald ziehen und niemand wirft uns vor, dass wir dabei die Hausaufgaben schleifen lassen.

Songs of Glimmerwick Screenshot 04

Grafik und Sound: Eine Insel, die man hören und sehen will

Optisch ist Songs of Glimmerwick eine Wohltat. Die handgezeichnete Welt wirkt wie ein illustriertes Märchenbuch, in dem wir selbst die Seiten durchstreifen. Üppige Pflanzen, warme Kamine und liebevoll eingerichtete Häuser zeigen, dass hier jede Figur ihr eigenes Zuhause hat. Die Farbpalette setzt auf weiche Goldtöne, Salbeigrün und gedämpftes Violett statt auf grelle Effekte, und auch geheimnisvolle oder zwielichtige Figuren passen sich dem sanften Stil an. Statt der üblichen Pixeloptik klassischer Farmspiele erinnert die Inszenierung eher an die ruhige, naturverbundene Bildsprache bekannter Point-and-Click-Märchen, nur in deutlich wärmerem Gewand. Trotz der Detailfülle behalten wir den Überblick, weil sich wichtige Orte und Figuren sauber vom Hintergrund abheben.

Beim Sound spielt das Spiel seine Stärke noch deutlicher aus. Die Musik wechselt mit der Umgebung: Auf den Wegen durch das Dorf Wisk klingt sie anders als an der Küste, mit weichen Streichern und luftigen Holzbläsern, die sich dem Ort anpassen. Wir können in der Akademie-Band mitspielen oder bei Auftritten im Dorfpub zuhören, was komplett optional ist. Der Gesang im Soundtrack und die Sprachausgabe sind so gelungen, dass wir fast Eintritt hätten zahlen wollen und die samtige Erzählstimme eröffnet das Abenteuer mit genau der richtigen Mischung aus Wärme und Geheimnis. Wenn die Nacht hereinbricht, tritt die Musik zurück und Grillen sowie plätschernde Bäche übernehmen. Eine kluge Entscheidung, die zeigt, wie sorgfältig das Team vorgegangen ist.

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Technik und Steuerung auf PC: Gemütlich auf dem Desktop und unterwegs

Technisch gibt es in unserem Test nichts zu meckern. Das Spiel lief von Anfang bis Ende sauber, Probleme sind uns nirgends aufgefallen. Das ist bei einem Indie-Titel dieser Größe keine Selbstverständlichkeit und passt hervorragend zu einem Spiel, das uns zur Ruhe kommen lassen will.

Auch bei der Steuerung gibt es keinen Grund zur Klage. Mit Maus und Tastatur geht alles intuitiv von der Hand: laufen, reden, Werkzeuge nutzen und die gelernten Zauber über die Schnellleiste auslösen. Die Melodien spielen wir direkt über die Tasten. Wer es lieber bequem mag, greift zum Controller, denn auch damit läuft das Spiel wunderbar, und die Musikeinlagen gehen ebenso gut von der Hand. So lässt sich der Schulalltag wahlweise am Schreibtisch oder vom Sofa aus genießen.

Das gilt ebenso für unterwegs. Auf dem Steam Deck lief Songs of Glimmerwick bei uns einwandfrei. Für ein Abenteuer, das sich perfekt für gemütliche Abende im Bett oder auf der Couch eignet, ist das ein großer Pluspunkt.

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Unser Fazit zu Songs of Glimmerwick

Songs of Glimmerwick ist ein warmherziges Zauberschul-Abenteuer, das den Alltag zum Vergnügen macht. Die Musikmagie trägt Spielgefühl und Atmosphäre, die Welt lädt zum Verweilen ein, und die Uhr arbeitet für uns statt gegen uns. Wer mit viel Lauferei und einem ruhigen Start leben kann, bekommt für rund 25 Euro ein liebevoll gemachtes Indie-RPG, bei dem man abends gern noch eine Stunde länger bleibt.

8.0
Gesamtwertung
Songs of Glimmerwick im Test (PC): Magie, Melodien und Gartenarbeit

Songs of Glimmerwick verbindet Zauberschule, Lebenssimulation und Musikmagie zu einem warmherzigen Indie-RPG.

Gameplay 8.0
Grafik 8.0
Sound 8.0
Steuerung 8.0
Vorteile
  • Originelles Musiksystem mit gut dosierter Herausforderung und Übungsraum
  • Stehende Zeit bei Terminen sorgt für echtes Cozy-Gefühl
  • Handgezeichnete, warme Märchenbuch-Optik
  • Wunderbarer Soundtrack, der sich der Umgebung anpasst
  • Vielfältige, glaubwürdige Figuren und echte Dialogentscheidungen
  • Deutsche Lokalisierung
Nachteile
  • Viel Lauferei bei kaum Schnellreise
  • Knappes Inventar und vereinzelte Bugs
  • Ruhiger Einstieg mit wenigen Liedern
  • Beziehungen zu Figuren bleiben recht oberflächlich

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