CloverPit im Test: Der teuflische Pakt mit dem Glücksspielautomaten

CloverPit

CloverPit ist seit dem 13. August 2026 offiziell auf PS5 erhältlich und bringt damit eines der ungewöhnlichsten Indie-Konzepte der letzten Monate auf Sonys Konsole. Das Roguelite von Entwicklerstudio Panik Arcade verbindet Glücksspielmechaniken mit purer Beklemmung und stellt uns vor eine einfache, aber gnadenlose Aufgabe: Wir sitzen in einer rostigen Zelle fest, haben nur einen Spielautomaten und einen Geldautomaten zur Verfügung und müssen am Ende jeder Runde unsere Schulden begleichen. Schaffen wir das nicht, öffnet sich der Boden unter uns. Wir haben CloverPit auf PS5 ausgiebig getestet und erklären, ob sich der Kauf für 9,99 Euro lohnt.

Story und Prämisse: Gefangen im eigenen Glücksspiel

Wer CloverPit startet, wacht ohne Erklärung in einem kargen Raum auf. Kein Name, keine Vorgeschichte, kein Hinweis darauf, warum wir hier gelandet sind. Nur ein altertümlicher Slot-Automat, ein ATM und ein rotes Telefon, das in unregelmäßigen Abständen klingelt. Am anderen Ende meldet sich eine mysteriöse Stimme, die uns Deals anbietet: Boosts, Flüche, riskante Wetten. Die Geschichte bleibt bewusst kryptisch und wird eher durch Andeutungen als durch klassische Erzählstrukturen vermittelt. Wer auf eine ausformulierte Handlung hofft, wird enttäuscht. Wer sich dagegen auf die bedrückende Atmosphäre einlässt, findet in den Lore-Fragmenten genug Stoff, um sich eigene Theorien zu spinnen. Besonders angenehm: CloverPit versteht sich explizit als Kritik an echten Glücksspielmechaniken und verzichtet komplett auf Echtgeld-Elemente. Die Zelle wird zur Metapher für die Sogwirkung des Zockens, nicht zur Einladung dazu.

CloverPit Screenshot 01

Gameplay: Balatro trifft auf pure Nervenanspannung

Der Kern von CloverPit ist schnell erklärt und trotzdem erstaunlich tief. Wir ziehen den Hebel des Slot-Automaten, die Walzen drehen sich, und je nach Symbolkombination erhalten wir Münzen, Multiplikatoren oder unangenehme Überraschungen. Am Ende jeder Runde müssen wir eine festgelegte Summe an die unsichtbare Instanz am anderen Ende der Leitung zahlen. Schaffen wir das Soll nicht, klappt die Falltür unter uns auf und die Runde ist vorbei.

Was CloverPit von einem gewöhnlichen Automatenspiel unterscheidet, ist das Meta-Progressionssystem. Zwischen den Runden schalten wir Talismane, Charms und Upgrades frei, die Symbolwahrscheinlichkeiten verschieben, Zinssätze beeinflussen oder ganze Kombinationsketten auslösen. Mit über 150 Items und Synergien entstehen dabei Build-Möglichkeiten, die sich fast schon wie ein Deckbuilder anfühlen, nur eben mit Walzen statt Karten. Gerade dieser Aspekt erinnert stark an Balatro, während die drohende Falltür unter unseren Füßen für eine ständige, kaum auszuhaltende Anspannung sorgt: Jede Runde kann die letzte sein.

CloverPit Screenshot 02
CloverPit Screenshot 03

Der Ablauf wiederholt sich zwangsläufig oft, schließlich basiert das ganze Spiel auf immer neuen Runden am selben Automaten. CloverPit schafft es aber, diese Wiederholung durch die wachsende Komplexität der Charm-Kombinationen frisch zu halten. Wer die perfekte Synergie aus mehreren Talismanen findet, erlebt Momente puren Triumphgefühls, wenn die Walzen exakt so stehen bleiben, wie es der eigene Build vorgesehen hat. Die Lernkurve ist allerdings happig: Anfangs bleibt unklar, welche Charms welche Effekte auslösen, und die Erklärungen im Spiel selbst fallen spärlich aus. Wer sich aber durchbeißt, wird mit einem der befriedigendsten Build-Systeme belohnt, die uns seit Langem in einem Indie-Titel begegnet sind.

Mit der gleichzeitig erschienenen DLC-Erweiterung Unholy Fusion, die separat käuflich ist, erweitert sich das Angebot um 30 Fusions-Talismane, elf neue Basis-Charms, sieben Speicherkarten und ein alternatives Ende. Für Genre-Fans, die mit dem Grundspiel durch sind, lohnt sich der zusätzliche Kauf durchaus, für Neueinsteiger ist das Hauptspiel aber völlig ausreichend, um viele Stunden Spielspaß zu garantieren. Im Schnitt dauert ein vollständiger Durchlauf zwischen sieben und dreizehn Stunden, wobei die Wiederspielbarkeit dank der zufälligen Charm-Verteilung enorm hoch ist.

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Grafik und Sound: Beklemmung in Pixelform

Grafisch setzt CloverPit auf einen bewusst reduzierten Low-Poly-Look mit grobkörniger Pixeloptik. Das mag auf den ersten Blick simpel wirken, entfaltet aber genau dadurch seine Wirkung. Die enge Zelle, das flackernde Licht, der einzige Fluchtpunkt in Form der Falltür: Alles wirkt roh und unfertig, als würde man in einer alten Überwachungskamera-Aufnahme feststecken. Wir spielen konsequent aus der Ich-Perspektive, unsere einzige physische Präsenz im Raum ist eine vierfingrige Hand, die den Hebel bedient und Charms platziert. Diese Reduktion auf das Wesentliche unterstützt die klaustrophobische Grundstimmung hervorragend.

Beim Sounddesign zeigt CloverPit seine größte Stärke. Das Klingeln des Telefons, das metallische Klacken der Falltür, das schrille Warnsignal bei einer besonders unglücklichen Symbolkombination: All das sitzt punktgenau und sorgt immer wieder für kleine Schreckmomente, ohne auf platte Jumpscares zurückzugreifen. Die musikalische Untermalung ist minimalistisch, aber äußerst stimmungsvoll und verstärkt den Sog des immer weiter Spielens, obwohl man eigentlich längst aufhören wollte. Wer mit Kopfhörern spielt, bekommt die volle Wirkung dieser durchdachten Klanglandschaft zu spüren.

CloverPit Screenshot 05

Technik und Steuerung auf PS5

Auf technischer Seite gibt sich CloverPit auf PS5 keine Blöße. Das Spiel benötigt gerade einmal 250 bis 300 Megabyte Speicherplatz und läuft dank seines reduzierten Grafikstils absolut flüssig, Ladezeiten oder Framerate-Einbrüche sind uns in unserem Test zu keinem Zeitpunkt begegnet. Die PS5-Fassung wurde nicht einfach nur portiert, sondern mit plattformspezifischen Extras versehen: Die Lichtleiste des DualSense-Controllers reagiert dynamisch auf das Geschehen und wechselt je nach Spielsituation die Farbe, was der ohnehin schon dichten Atmosphäre eine weitere sensorische Ebene hinzufügt.

Die Steuerung selbst ist denkbar simpel gehalten. Mit dem Analogstick bewegen wir den Cursor durch den Raum, mit den Schultertasten oder dem Touchpad interagieren wir mit dem Automaten, dem ATM und dem Telefon. Insgesamt fühlt sich die Konsolenumsetzung rund und durchdacht an, hier wurde nicht einfach nur ein PC-Port abgeliefert.

CloverPit Screenshot 06

Unser Fazit zu CloverPit

CloverPit beweist eindrucksvoll, dass sich Glücksspielmechaniken und waschechter Horror hervorragend miteinander verbinden lassen. Das Build-System rund um Charms und Talismane bietet enorme Tiefe, das Sounddesign sorgt für dauerhafte Anspannung, und auf PS5 läuft alles technisch einwandfrei. Den absoluten Sog-Charakter mancher Genre-Vertreter, bei dem man kaum den Controller aus der Hand legen kann, erreicht CloverPit für uns zwar nicht ganz, dafür überzeugt es mit seiner ungewöhnlichen Atmosphäre und seinem cleveren Aufbau auf ganzer Linie.

7.8
Gesamtwertung
CloverPit im Test: Der teuflische Pakt mit dem Glücksspielautomaten

CloverPit verbindet Slot-Machine-Nervenkitzel mit dichter Horror-Atmosphäre und einem überraschend tiefen Build-System. Zwar nicht ganz so suchterzeugend wie andere Roguelites, trotzdem eine Empfehlung auf PS5.

Gameplay 7.5
Grafik 8.0
Sound 8.0
Steuerung 8.0
Vorteile
  • Enorm tiefes Charm- und Talisman-System mit über 150 Kombinationen
  • Dichte, beklemmende Atmosphäre durch minimalistisches Sounddesign
  • Technisch einwandfreie PS5-Umsetzung mit DualSense-Lichtleisten-Feature
  • Sehr günstiger Einstiegspreis bei hoher Wiederspielbarkeit
Nachteile
  • Spärliche Erklärungen zu Charm-Effekten zu Beginn
  • Sich wiederholender Spielablauf kann auf Dauer ermüden
  • Story bleibt bewusst vage und erschließt sich nur schwer
  • Der Suchtfaktor bleibt hinter dem mancher Genre-Kollegen etwas zurück

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