Nach dem Erfolg des ersten Cozy Grove hat Entwickler Spry Fox mit Cozy Grove: Camp Spirit einen waschechten Nachfolger nachgelegt, der längst nicht mehr nur mobilen Geräten vorbehalten ist. Auch auf der PlayStation 5 können sich Spielerinnen und Spieler nun in die geisterhaft-gemütliche Welt der Bären-Spirits stürzen. Wir haben uns angeschaut, wie sich das Spiel auf Sonys Konsole schlägt.
Was erwartet Spielerinnen und Spieler in Cozy Grove: Camp Spirit?
Wer den ersten Teil kennt, weiß bereits, was ihn erwartet. Cozy Grove: Camp Spirit setzt auf eine entspannte Mischung aus Lebenssimulation und leiser, oft melancholischer Erzählung. In der Rolle einer Pfadfinderin oder eines Pfadfinders reist man auf eine mysteriöse Insel, auf der zahlreiche Bären-Geister feststecken. Nach und nach hilft man ihnen, ihre unerledigten Angelegenheiten zu klären, damit sie ihren Frieden finden können. Unter der niedlichen Fassade verbergen sich dabei überraschend berührende Geschichten. Camp Spirit geht dabei sogar noch einen Schritt weiter als sein Vorgänger und thematisiert unter anderem eine non-binäre Bärenfigur sowie insgesamt vielschichtigere Charakterbeziehungen. Besonders gelungen ist, wie die einzelnen Bärenschicksale im Laufe der Zeit miteinander verwoben werden. Was zunächst wie separate Geschichten wirkt, entpuppt sich nach und nach als cleveres Beziehungsgeflecht, das die gesamte Insel durchzieht.

Gameplay im Detail: Vertraute Formel mit einigen neuen Ideen
Im Kern bleibt sich Camp Spirit treu. Man erkundet die Insel, sammelt Materialien, fischt, fängt Insekten und dekoriert sein Lager, während man Feuerwesen Flamey mit Geisterholz füttert, um neue Bereiche freizuschalten. Neu hinzugekommen ist unter anderem das Gebiet der Old Grounds, das sich erst im späteren Spielverlauf öffnet. Auch strukturell hat sich einiges getan, denn die Bären besitzen nun eigene, begehbare Behausungen, deren Inneneinrichtung sich mit dem Fortschritt der jeweiligen Geschichte verändert. Ergänzt werden diese Momente durch kurze Rückblenden, die einen Einblick in das frühere Leben der Charaktere geben und den emotionalen Geschichten noch mehr Tiefe verleihen.
Zu den neuen Spielmechaniken zählt außerdem eine Hochdruckreiniger-Funktion, mit der sich Sand oder Ruß von Gebäuden entfernen lässt, um Belohnungen freizuschalten oder Quest-Bedingungen zu erfüllen. Es handelt sich um ein kleines, aber unterhaltsames Extra, das an bekannte Reinigungsspiele erinnert. Auch bei den tierischen Begleitern gibt es Zuwachs, denn neben den bekannten Geister-Haustieren gesellen sich nun Gefährten wie der Hund Craw hinzu, die einen auf Schritt und Tritt begleiten.

Ein weiteres neues Element ist der asynchrone Mehrspielermodus. Über diesen lassen sich Briefe und Geschenke an Freundinnen und Freunde verschicken, deren astrale Projektionen anschließend auf der eigenen Insel auftauchen. Wer ohnehin lieber solo vor sich hin dekoriert, wird dieses Feature vermutlich kaum vermissen, als nettes optionales Extra funktioniert es aber durchaus.
Der größte Kritikpunkt bleibt derselbe wie beim ersten Teil, nämlich das Zeit-Gating. Pro Tag lässt sich die Handlung nur bis zu einem gewissen Punkt vorantreiben, danach warten weder neue Bärengeschichten noch zusätzliches Geisterholz. Zwar kann man weiterhin angeln, Rohstoffe sammeln oder sein Lager umgestalten, doch ohne erzählerischen Fortschritt fühlt sich das schnell nach Leerlauf an. Wer die Systemuhr der Konsole manuell vorstellt, kann diese Sperre zwar umgehen, riskiert damit aber potenzielle Probleme mit dem Spielstand, weshalb sich dieser Umweg nicht wirklich empfiehlt.

Grafische Umsetzung und Klanggestaltung: Charmant, aber nicht revolutionär
Optisch setzt Cozy Grove: Camp Spirit auf den vertraut handgezeichneten, warmen Artstyle der Reihe, der auf dem großen PS5-Bildschirm noch einmal deutlich besser zur Geltung kommt als auf mobilen Geräten. Details wie versteckte Sammelobjekte, liebevoll gestaltete Dekorationen oder die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke der Bären lassen sich auf der Konsole spürbar leichter erkennen als auf dem kleinen Smartphone-Display, für das das Spiel ursprünglich konzipiert wurde. Die Lichtstimmung wechselt angenehm zwischen Tag und Nacht und unterstreicht die leicht geisterhafte, aber nie gruselige Atmosphäre der Insel.
Klanglich bleibt sich Camp Spirit ebenfalls treu und setzt auf eine sanfte, atmosphärische musikalische Untermalung, die nie aufdringlich wirkt, sondern das entspannte Spielgefühl unterstützt. Umgebungsgeräusche wie das Plätschern von Wasser oder das Knistern von Flamey tragen zusätzlich zur gemütlichen Grundstimmung bei. Wer auf spektakuläre audiovisuelle Highlights hofft, wird hier zwar nicht fündig, dafür ist die Konsistenz aus Optik und Sound genau das richtige Mittel, um die entspannte Stimmung des Spiels zu transportieren.

Technische Performance und Steuerung
Auf technischer Seite läuft Cozy Grove: Camp Spirit auf der PS5 rund und stabil, was angesichts des eher gemächlichen Tempos und der übersichtlichen Spielwelt auch keine große Überraschung ist. Ladezeiten fallen kaum ins Gewicht, und auch beim schnellen Wechsel zwischen den verschiedenen Bereichen der Insel gab es im Test keine spürbaren Ruckler.
Die Umstellung von Touch- auf Controller-Steuerung gelingt größtenteils gut. Menüs und Inventar lassen sich über das Steuerkreuz und die Schultertasten komfortabel bedienen, auch wenn man beim Dekorieren und Platzieren von Gegenständen gelegentlich merkt, dass das Spiel ursprünglich für Touchscreens gedacht war. Hier wäre an manchen Stellen eine noch feinere Steuerungsoption wünschenswert gewesen. Insgesamt spielt sich Camp Spirit auf der PS5 aber angenehm und macht auf dem großen Bildschirm mit Controller in der Hand mindestens genauso viel Spaß wie unterwegs auf dem Handy. Für viele dürfte die Konsolenfassung sogar die deutlich komfortablere Variante sein.

Fazit zu Cozy Grove: Camp Spirit
Cozy Grove: Camp Spirit ist keine radikale Neuerfindung der Reihe, sondern eher eine liebevoll ausgebaute Fortsetzung mit spürbaren Verbesserungen. Dazu zählen tiefere Bärengeschichten, mehr erkundbare Bereiche, neue Begleiter und kleine, aber sinnvolle Mechaniken wie das Reinigen mit dem Hochdruckreiniger. Wer den ersten Teil mochte, bekommt hier genau das gewünschte Mehr vom Gleichen, nur mit mehr Herz, mehr Details und dank der PS5-Umsetzung endlich auch mit der visuellen Klarheit, die das Spiel verdient.
Der größte Wermutstropfen bleibt das nach wie vor spürbare Zeit-Gating, das den Spielfluss an manchen Tagen ausbremst. Wer damit leben kann und ohnehin auf entspannte, in kleinen Häppchen konsumierbare Spiele steht, findet in Camp Spirit aber ein rundum gelungenes, charmantes Erlebnis mit überraschend viel emotionaler Tiefe unter der niedlichen Oberfläche.
Cozy Grove: Camp Spirit ist eine liebevoll ausgebaute, aber wenig revolutionäre Fortsetzung mit stimmungsvoller Optik auf der PS5, die trotz nervigem Zeit-Gating durch tiefe Bärengeschichten und charmante neue Mechaniken überzeugt.
- Tiefere, besser vernetzte Bärengeschichten
- Neue Areale, Begleiter und Mechaniken sorgen für Abwechslung
- Auf der PS5 grafisch besonders gut zur Geltung kommend
- Entspannte, stabile technische Umsetzung
- Zeit-Gating bremst den Fortschritt spürbar aus
- Eher Weiterentwicklung als echte Neuerfindung
- Steuerung an manchen Stellen noch spürbar touch-orientiert







