Echoes of Aincrad im Test: Wie gut ist das neue Sword Art Online Action-RPG für PS5 wirklich?

Echoes of Aincrad

Bandai Namco geht mit Echoes of Aincrad einen ungewöhnlichen Weg für ein Sword Art Online Spiel. Anstatt euch wie gewohnt in die Rolle von Kirito oder anderen bekannten Charakteren aus Anime und Manga zu versetzen, dürft ihr diesmal eure ganz eigene Figur erschaffen und das bekannte Drama um das tödliche VR-MMORPG aus einer neuen Perspektive miterleben. Wir haben die PlayStation 5 Fassung ausgiebig gespielt und verraten euch, ob sich dieser Ansatz auszahlt.

Die Grundprämisse dürfte Fans der Vorlage bekannt vorkommen. Tausende Spielerinnen und Spieler loggen sich in das neue Virtual-Reality-Rollenspiel Sword Art Online ein, nur um festzustellen, dass ein Ausloggen plötzlich unmöglich ist. Wer innerhalb des Spiels stirbt, verliert auch im echten Leben sein Dasein. Die einzige Rettung besteht darin, sich gemeinsam mit anderen Gefangenen bis an die Spitze des hundertstöckigen Schwebeturms Aincrad zu kämpfen.

Gameplay: Motivierender Kampfrhythmus trifft auf müdes Missionsdesign

Spielerisch setzt Echoes of Aincrad auf ein bewährtes Grundgerüst aus Kämpfen, Erkunden und dem stetigen Ausbau der eigenen Figur. Damit ihr in der lebensgefährlichen Welt von Aincrad überhaupt eine Chance habt, müsst ihr Monster erlegen, Aufträge erledigen und so nach und nach an Stärke gewinnen. Neue Ausrüstungsgegenstände, frische Fertigkeiten und steigende Erfahrungswerte belohnen euch fortlaufend und sorgen dafür, dass man kaum den Controller aus der Hand legen möchte.

Die Gefechte selbst spielen sich angenehm dynamisch. Mit euren Waffenfertigkeiten teilt ihr vor allem gegen kleinere Gegnerhorden ordentlich aus, während sich stärkere Attacken durch präzises Timing parieren und im Anschluss gemeinsam mit eurem KI-Partner kontern lassen. Diese Begleitfiguren begleiten euch durch jede Mission und lassen sich flexibel steuern, wahlweise bleiben sie dicht an eurer Seite oder handeln eigenständig im Kampfgetümmel. Ihre besonderen Fähigkeiten, etwa heilende Zonen, müssen aufgrund langer Abklingzeiten klug eingesetzt werden. Die größte spielerische Herausforderung bieten dabei die Bosse, die durch ihre Größe und ihr aggressives Verhalten für die intensivsten Momente des gesamten Spiels sorgen.

Echoes of Aincrad Screenshot 01

Weniger überzeugend fällt hingegen das Aufgabendesign aus. Viele Story- und Nebenmissionen folgen einem vorhersehbaren Muster und bieten selten echte Abwechslung. Verstärkt wird dieser Eindruck durch immer wiederkehrende Gegnertypen, die euch in unterschiedlichen Verkleidungen begegnen, sowie durch Bossgegner, die im späteren Spielverlauf erneut auftauchen. Auch die Erkundung der Spielwelt, die zu Beginn dank cleverer Checkpoints und gut versteckter Beute noch Neugier weckt, verliert mit der Zeit an Reiz. Zahlreiche Abschnitte, insbesondere Höhlensysteme, gleichen sich optisch derart stark, dass die Orientierung mitunter schwerfällt.

Auch erzählerisch braucht Echoes of Aincrad viel Anlaufzeit. Die rund 20-stündige Kampagne hält zwar einige bewegende Szenen für Fans bereit, doch bis die Geschichte wirklich an Fahrt gewinnt, vergeht einige Zeit. Neu eingeführte Figuren wie eure wichtigste Begleiterin Iori bleiben dabei charakterlich eher blass und hätten von mehr erzählerischer Tiefe profitiert.

Echoes of Aincrad Screenshot 02

Grafik und Sound: Stimmungsvoller Anime-Look mit generischen Ecken

Bei der optischen Umsetzung zeigt Echoes of Aincrad seine größte Stärke. Der gewählte Cel-Shading-Stil trifft den Look der Anime-Vorlage hervorragend und dürfte eingefleischten Fans sofort ins Auge stechen. Sowohl die Charaktermodelle als auch die filmreif inszenierten Zwischensequenzen und die Effekte während der Kämpfe zeugen von spürbarer Sorgfalt im Detail. Wer aufmerksam durch die Spielwelt streift, entdeckt zudem immer wieder kleine Verweise und Anspielungen, die klar erkennen lassen, wie sehr sich das Entwicklerteam mit dem Ursprungsmaterial auseinandergesetzt hat.

Auch klanglich bewegt sich das Spiel auf solidem Niveau. Die musikalische Untermalung passt sich stimmig an actionreiche wie emotionale Szenen an, ohne dabei völlig neue akustische Wege einzuschlagen. Zusammen mit der gelungenen Inszenierung der Story-Momente entsteht dennoch ein rundes Gesamtpaket, das dem Charakter der Anime-Vorlage gerecht wird.

Ein Kritikpunkt bleibt jedoch die Gestaltung der Umgebungen. Trotz einzelner wirklich hübscher Schauplätze wiederholen sich viele Abschnitte optisch und wirken dadurch beliebig. Da sich Echoes of Aincrad hier eng an das eher generische Fantasy-Mittelalter-Setting der Vorlage anlehnt, lässt sich dieser Kritikpunkt dem Spiel nur bedingt zur Last legen. Etwas mehr gestalterischer Mut hätte der Spielwelt trotzdem gutgetan.

Echoes of Aincrad Screenshot 03

Technik und Steuerung auf der PlayStation 5: Präzise Kämpfe, kleine Kameraschwächen

Technisch macht Echoes of Aincrad auf der PlayStation 5 einen soliden Eindruck. Während unserer gesamten Testzeit lief das Spiel stabil, größere Abstürze oder Ruckler blieben aus. Besonders in den Kämpfen überzeugt die direkte Reaktion auf Eingaben, was für das exakte Timing beim Parieren und Kontern von entscheidender Bedeutung ist.

Die Steuerung geht insgesamt schnell in Fleisch und Blut über. Sowohl das Aktivieren von Waffenfertigkeiten als auch der Einsatz spezieller Fähigkeiten eurer Begleitfiguren, etwa die Heilzone von Iori, lassen sich intuitiv in den Kampfrhythmus integrieren. Wer sich einmal an die Kombinationen gewöhnt hat, findet schnell einen flüssigen Spielfluss.

Kleinere Schwächen offenbart die Kameraführung, vor allem in unübersichtlichen Situationen mit vielen Gegnern gleichzeitig oder gegen besonders großformatige Bossmonster. In solchen Momenten verliert die Kamera gelegentlich den optimalen Blickwinkel, was kurzzeitig für Verwirrung sorgen kann. Insgesamt handelt es sich dabei jedoch um Ausnahmefälle, die den positiven Gesamteindruck der Steuerung nicht nachhaltig trüben.

Echoes of Aincrad Screenshot 04

Fazit: Solides Anime-Action-RPG mit ungenutztem Potenzial

Unter dem Strich hinterlässt Echoes of Aincrad einen positiven Eindruck. Der neue Blickwinkel auf die bekannte Geschichte, die gelungene optische Umsetzung im Anime-Stil sowie der motivierende, wenngleich wenig originelle Spielablauf sprechen klar für das Action-Rollenspiel. Auch das Kampfsystem weiß, abgesehen von gelegentlichen Kameraproblemen, zu überzeugen, und die Sorgfalt im Umgang mit der Vorlage ist an vielen Stellen erkennbar.

Gleichzeitig bremst sich das Spiel selbst immer wieder aus. Das behäbige Erzähltempo zu Beginn, das sich wiederholende Leveldesign, die stellenweise auffällig leere Spielwelt sowie das ständige Recycling von Gegnern, einschließlich mancher Bossgegner, summieren sich über die gesamte Spielzeit zu spürbaren Dämpfern. Auch die Inszenierung der Handlung bleibt trotz einzelner starker Szenen zu häufig hinter ihren Möglichkeiten zurück, nicht zuletzt weil euer eigener Einfluss auf die Kernstory selten wirklich zu spüren ist.

Wer mit diesen Schwächen leben kann, findet in Echoes of Aincrad dennoch ein unterhaltsames Anime-Action-RPG, das seine Fähigkeiten leider nie ganz zur Entfaltung bringt.

7.6
Gesamtwertung
Echoes of Aincrad im Test: Wie gut ist das neue Sword Art Online Action-RPG für PS5 wirklich?

Echoes of Aincrad ist ein optisch stimmiges und im Kampf motivierendes Anime-Action-RPG, das sein Potenzial durch repetitives Leveldesign und ein zähes Erzähltempo jedoch nicht vollständig nutzt.

Gameplay 7.5
Grafik 8.0
Sound 8.0
Steuerung 7.5
Vorteile
  • Frischer Blickwinkel auf das bekannte Sword Art Online Szenario dank eigener Spielfigur
  • Filmreif inszenierte Zwischensequenzen an mehreren Stellen der Story
  • Liebevoller Cel-Shading-Look, der die Anime-Vorlage authentisch einfängt
  • Zahlreiche liebevolle Details und Anspielungen für Serienkenner
  • Kampfsystem mit spürbarem Suchtfaktor durch Aufstufen, Ausrüstung und Skills
Nachteile
  • Story kommt über weite Strecken nur schleppend in Fahrt
  • Leveldesign wiederholt sich, insbesondere bei Höhlenabschnitten
  • Viele Areale wirken trotz schöner Optik auffällig leer
  • Ständige Wiederholung von Standard- und sogar Bossgegnern
  • Neue Charaktere wie Iori bleiben inhaltlich eher blass

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